Einleitung zur Online-Edition von Clarac, Musée du Sculpture

Biographie - Bibliographie - Vorgeschichte - Konzeption - Vorläufer - Gang der Arbeiten - Inhaltsverzeichnisse - Sammlungsverzeichnisse - Vorgängerwerke - Dokumentationsweise - Die Titelvignette zu III 2 und zu V - Titelvignette zu Band IV - Titelvignette zu Band VI - Die Rezeption von Claracs"Musée de sculpture antique et moderne" - Clarac als Résumé der Skulpturenforschung des 17. und 18. Jhs. - Clarac als Vorläufer eines Corpus Statuarum - Das Corpus Statuarum als unbewältige Aufgabe der Archäologie - Von 'Clarac' zu 'Arachne'

Das Corpus Statuarum als unbewältigte Aufgabe der Archäologie

Ein Corpus Statuarum, wie es deutsche Archäologen im späteren 19. Jh.  planten, hätte nach dem Vorbild des Corpus Inscriptionum Latinarum (CIL) entstehen sollen, wie etwa Äusserungen von Adolf Michaelis erkennen lassen. Das konnte nur bedeuten, dass das Material in einer straff koordinierten Weise gesammelt, nach klaren Vorgaben beschrieben und systematisch nach Provenienz sowie nach thematischen, formalen, chronologischen Gesichtspunkten geordnet vorgelegt werden sollte, wie es in der Reihe "Die antiken Sarkophagreliefs" tatsächlich geschehen ist. Im Gegensatz dazu ist das Corpus Statuarum über erste Vorarbeiten, zu denen neben den von P. Arndt herausgegebenen "Einzelaufnahmen" auch eine Reihe von überaus wichtigen Aufsätzen von A. Michaelis zur Geschichte archäologischer Sammlungen gehören, nicht hinausgekommen. Das lag zum einen an dem hohen Aufwand, den die photographische Dokumentation der Statuen erfordert, zum anderen am Fehlen einer mit adäquaten Mitteln ausgestatteten Leitung.

Von der oben beschriebenen Zielsetzung abweichend betreibt das 1963 initiierte internationale »Corpus Signorum Imperii Romani« die Publikation von Museumskatalogen zu römischen Skulpturen, wobei Statuen und Reliefs gleichermaßen vorgelegt werden. (zum Stand des Unternehmens zuletzt F. Braemer, in: Proceedings of the XVth International Congress of Classical Archaeology Amsterdam 1998 [1999] 90ff.)

Einen anderen Weg schlug Heinz Kähler ein, Ordinarius für Klassische Archäologie in Köln. Er erreichte 1964 mit Unterstützung von Hansgeorg Oehler und Hans Georg Niemeyer die Einrichtung eines "Forschungsarchivs zur römischen statuarischen Plastik", in dem Denkmäler der römischen Kunst, insbesondere der statuarischen Plastik, photographisch und in wissenschaftlicher Beschreibung erfasst werden sollte. Dabei war -anders als bei den traditionellen Corpus-Unternehmungen- keine umfassende Publikation des Materials geplant; vielmehr sollte damit das Fundament gelegt werden für zahlreiche spezielle Untersuchungen zur römischen Kunst, für deren Veröffentlichung die Reihe "Monumenta Artis Romanae" eingerichtet wurde. Um einen möglichst vielseitigen Zugang zu dem gesammelten Material zu ermöglichen plante H. Oehler bereits in den ersten Jahren eine Erschließung durch moderne Datenverarbeitung. Die technischen Voraussetzungen ließen eine Realisierung dieser Vision dann freilich erst um die Jahrtausendwende zu.