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104003: Weihrelief eines Mädchens

Berlin, Staatliche Museen, Antikensammlung Berlin

Available images: 1

Catalog text

Name:

Weihrelief eines Mädchens

Inventory number:

Sk 1792

Author:

Katrin Dittmann

Provenience:

Milet.

Measurements:

H. 47 cm; B. 20 cm; T. 10 cm.

Material/Technique:

Grauweißer Marmor. Die Reliefumrahmung ist oben und an den Seitenflächen sorgfältig geglättet. Die Rückseite dagegen weist eine oberflächlichere Bearbeitung auf.

Preservation:

Es fehlt das untere Drittel des Reliefs. Die Bruchlinie verläuft von links oben – etwa von Kniehöhe der stehenden Figur aus – nach rechts unten durch den rechten Unterschenkel. Alte Schäden lassen sich an der rechten seitlichen Umrahmung feststellen. Leichte Bestoßungen neueren Ursprungs (nach Blümel 1940, S. 49) wahrscheinlich durch die Ausgrabungen verursacht) finden sich an Kinn, Oberlippe, Nase, linkem Auge und oberhalb beider Augen.
Spuren einer Farbfassung sind nicht sichtbar erhalten. Volkmar von Graeve (1986a, S. 89 f.) geht dennoch von einer ursprünglich vorhandenen Farbgestaltung als ergänzendes Element aus.

Inventories/Archival materials:

Inventar der Skulpturen II, S. 117 Nr. 1792.

Catalogs:

Blümel 1940, S. 49 Nr. 45 Abb. 127.

Bibliography:

Wiegand 1927, S. 62 f. Abb. 2; Poulsen 1934, S. 52 Abb. 5; Lippold 1950, S. 47 Anm. 11; Langlotz 1966, S. 41 Abb. 51; Herdejürgen 1968, S. 39; Richter 1968, S. 51 Nr. 70 Abb. 228; Tuchelt 1970, S. 124 L 37. 144; Neumann 1979, S. 16; Naumann 1983, S. 116 f.; von Graeve 1986, S. 21 Anm. 1; von Graeve 1986a, S. 86 f. 89 f. Taf. 9, 1; Roller 1999, S. 126 mit Anm. 25; Vikela 2001, S. 83 mit Anm. 49.

Blümel 1940, S. 48 Nr. 43 Abb. 124. 125 (Gestaltung Oberkörper); Lippold 1950, Taf. 12, 1 (Ephesische Habichtträgerin); Akurgal 1961, S. 204−210 Abb. 169−173 (Ephesische Habichtträgerin); von Graeve 1986a, S. 87. 89 Taf. 8, 1. 2.

Zum Abkürzungsverzeichnis

Description:

Eine große weibliche Gestalt, wohl eines Mädchens erscheint in Vorderansicht innerhalb eines einfach gerahmten hochrechteckigen Bildfeldes, welches sie vollständig ausfüllt. Auffallend ist der im Verhältnis zum übrigen Körper relativ große Kopf. Das breite Gesicht weist geradlinig gehaltene Lippen, eine breite Nase, mandelförmige Augen und eingetiefte Augenkonturen mit flachgearbeiteten Augäpfeln auf. Das Mädchen ist mit einem langen gegürteten Chiton bekleidet, der in der Mitte drei breite Steilfalten zeigt. Darüber trägt sie ein Gewand, das, abweichend von den Beobachtungen Carl Blümels (1940, S. 49 Nr. 45) oder Theodor Wiegands (1927, S. 63) keine Art Jacke mit Halbärmeln ist. Vielmehr handelt es sich bei dem Bekleidungsstück um ein Schrägmäntelchen (Herdejürgen 1968, S. 39 f.; von Graeve 1986, S. 89). Die Tracht zeichnet sich durch große, nur sparsam durch Falten gegliederte Flächen aus, die einen harten Konturenverlauf aufzeigen. Die Brüste zeichnen sich zart unter dem Gewand ab. Der Kopf ist von einem Schleier bedeckt, der, das Gesicht eng umschließend, bis auf die Schultern fällt. Auf dem Schleier liegt ein breiter tuchähnlicher Gegenstand. In beiden gesenkten Händen hält das Mädchen ein nicht mehr zu identifizierendes Attribut. Der Gegenstand in ihrer Linken zeichnet sich durch eine runde Form aus und wird als Ei gedeutet (Blümel 1940, S. 49). In ihrer rechten Hand befindet sich ein eher längliches Objekt, das von Carl Blümel (1940, S. 49) als Gefäß angesprochen wird.

Dating:

Das Reliefbild weist eine Reihe von stilistischen Merkmalen auf, die wichtige Anhaltspunkte für seine zeitliche Einordnung vermitteln. Der im Verhältnis zum übrigen Körper relativ große Kopf des Mädchens, die Gestaltungsprinzipien seiner Kleidung – so etwa der Faltendekor des Mittelstreifens mit seinen drei senkrechten Falten – verbinden das Weihrelief mit einer weiblichen Elfenbeinstatuette aus Ephesos (Istanbul, Archäologisches Museum; Lippold 1950, Taf. 12, 1; Akurgal 1961, S. 204-210 Abb. 169-173). Diese sogenannte ephesische Habichtträgerin wird in das 2. Viertel des 6. Jahrhunderts v. Chr. datiert. Die strenge Gliederung des Körpers in Einzelformen, erkennbar beispielsweise in der klaren plastisch ausgeführten Abtrennung der Arme von der Bekleidung sprechen für eine Zuweisung des Weihreliefs an den Beginn dieses Zeitraums.

Interpretation:

Dass die Darstellung von Stofflichkeit auf ganz unterschiedliche Art und Weise charakterisiert werden kann, zeigt sich anhand dieses Reliefbildes eines Mädchens. Die sparsame Faltengebung und das Vorherrschen großer glatter Flächen in der Gestaltung, stehen in Kontrast zu einer anderen Gruppe milesischer Arbeiten, die sich vornehmlich durch eine reiche Faltengliederung auszeichnet und weist das Reliefbild der sogenannten „ersten Gruppe“ zu (Tuchelt 1970, S. 144).
Auffallend an dem Reliefbild ist die Darstellung von zwei Attributen, die sich jedoch nicht mehr eindeutig ansprechen lassen. Sie können somit keine Hinweise auf eine Identifizierung der Figur geben. Ein möglicher Deutungsansatz findet sich bei Friederike Naumann (Naumann 1983). Sie weist in ihrer Untersuchung der Kybelebilder nach, dass die Göttin in archaischer Zeit vorwiegend in einem Naiskos sitzend oder frontal stehend dargestellt wird. Auch in dem Reliefbild möchte sie anhand der Übereinstimmung mit dem ikonographischen Schema der Kybele-Abbildung eine Darstellung dieser Göttin sehen (Naumann 1983, S. 116 f.). Der tuchförmige Gegenstand, den das Mädchen auf ihrem Kopf trägt, identifiziert sie als verunglückte Darstellung eines von Kybele üblicherweise getragenen Polos. In darauffolgenden Untersuchungen (Roller 1999, S. 126; Vikela 2001, S. 83) wird die Deutung des Reliefbildes als Kybele übernommen. Problematisch in der Zuweisung an die Göttin bleibt jedoch die Form der Reliefstele, die nicht als Naiskos ausgebildet wurde und damit eine eindeutige Zuordnung erschwert. Die sichere Identifizierung als Kybele ist somit nicht möglich.