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2103257: Großer Altar / Pergamonaltar (rekonstruierter Bau in Berlin; vgl. 2100363 und 2103581)

Berlin

Information on the Building

Localization:

Berlin, Deutschland, DE, Staatliche Museen, Antikensammlung Berlin
- Location information is Aufbewahrungsort -

Geographical description:

Ancient landscape: Mysien
Roman province: Asia
Cultural era: hellenistisch

Characterization:

Building type: Altar
Architectural order: ionisch
Description: Monumentalaltar - Architekturdekoration, Reliefs und Akroterskulpturen vollständig aus Prokonnesischem Marmor, Fundamentkern aus lokalem vulkanischem Tuff und Andesit; Bautypologisch in der Tradition vergleichbarer (meist kleinerer) ionischer Altäre und Memorialbauten archaischer bis hellenistischer Zeit in Kleinasien stehend. Der Altarbau erhebt sich über annähernd quadratischem Fundament (ca. 37 x 34 m) und besteht aus einer Sockelzone über vierstufigem Unterbau, darüber folgt eine mit reichem Fuß- und Kopfprofil abgesetzte Sockelfrieszone, an der umlaufend der Reliefzyklus der Gigantomachie angebracht ist. Getrennt durch eine Zwischenstufe folgt ein Geschoß mit einer umlaufenden ionischen Kolonnade. Im Mittelteil der Westseite schneidet eine etwa 20 m breite Freitreppe in den Unterbau ein, die im Süden und Norden von vorgezogenen Risalite mit Säulenhallen flankiert wird. Das Dach über der ionischen Kolonnade trug im Süden, Osten, Norden sowie den Risalitstirnen im Westen unterlebensgroße zu Gruppen formierte Akroterskulpturen. Der Zugang führte über der Treppe durch die Westkolonnade und einen Durchgang mit ionischen Doppelsäulenpfeilern in einen Innenhof mit einer analog geplanten Stützen-Ordnung, die jedoch nicht mehr ausgeführt wurde. Im Innenhof stand der ebenfalls reich ornamentierte eigentliche Opferaltar (vgl. 2103581). Umlaufend an der Innenwand des Hofes war über einem Sockel aus blaugrauem Marmor der kleine Fries mit Szenen aus dem Leben des Heros Telephos angebracht, der als mythischer Gründer von Pergamon verehrt wurde.

History:

Building history : Einigkeit besteht heute in der Forschung in der Zuschreibung des Bauentwurfes und der weitgehenden Fertigstellung des Baus in die Zeit Eumenes II. (197-159 v. Chr.). Zentrale Fragen der Interpretation des Bauwerks sind dagegen bis heute umstritten: welcher(n) Gottheit(en) der Bau geweiht war, ob seine Errichtung auf ein konkretes historisches Ereignis der Regierungszeit Eumenes II. zurückgeführt werden kann und damit verbunden die Frage nach der Datierung des Bauentwurfs, von Beginn und Dauer der Bauausführung sowie die Interpretation eines im Fundamentbereich gefundenen Vorgängerbaus.
Excavation: BBauglieder, Friesfragmente, Skulpturen und das Fundament des Baus selbst wurden bei den Ausgrabungen der Berliner Museen in Pergamon 1878 -1886 gefunden. Das Fundament des Altars ist noch in situ auf dem Burgberg in Pergamon [vgl. Arachne 2100363]; der Skulpturenschmuck wurde nahezu komplett, von den Baugliedern einige nach Berlin gebracht und zur Rekonstruktion des Altarbaus im Pergamonmuseum verwendet. Die meisten originalen Bauglieder sind jedoch auf der Altarterrasse in Pergamon deponiert bzw. liegen im umgebenden Gelände, einige befinden sich auch im örtlichen Grabungsdepot und im Museum Bergama.
Restoration: Die Aufstellung im Berliner Museum gibt aus Platzgründen nur eine Teilrekonstruktion des Altars wieder: die Altarfront in voller Breite und den Ansatz der Nord- und Südseite. Der Gigantomachie-Zyklus ist sowohl an dieser Rekonstruktion (Westseite und Treppenflanken) also auch an den gegenüberliegenden Saalwänden (Ost-, Süd- und Nordseite) in voller Länge angebracht. Im kleineren Saal des Obergeschosses über der Altartreppe ist der Telephosfries in rekonstruiertem Zustand entsprechend der antiken Anbringung aufgestellt, ebenfalls dort ausgestellt sind zwei Architekturproben vom Gebälk des Opferaltars.
Literatur zum Bau: vgl. Arachne 2100363

Dating:

2. Viertel 2. Cent. (Eumenes II. ).
- after: Volker Kästner -

Bibliography:

F. Coarelli, Pergamo e il re. Forma e funzioni di una capitale ellenistica (2016) 143-169;
W. D. Heilmeyer (Hrsg.), Der Pergamonaltar. Die neue Präsentation nach der Restaurierung des Telephosfrieses (Tübingen 1997);
E. Laufer, Architektur unter den Attaliden. Pergamon und die Städte zwischen herrscherlichem Bauengagement und Lokaltradition, PF 19 (Wiesbaden 2021) 92-104 und passim;
W. Raeck, Der Pergamonaltar - hellenistischer Erinnerungsort zwischen Wissenschaft und Politik, in: E. Stein-Hölkeskamp - K.-J. Hölkeskamp (Hrsg.) Die griechische Welt. Erinnerungsorte der Antike (München 2010) 280-297;
A. Scholl, ’Olympiou endothen aule’ - Zur Deutung des Pergamonaltars als Palast des Zeus, JdI 124, 2009, 251-278;

Catalog

Editor: E. Laufer

Kommentar (im Kontext einer Diskussion attalidischer Architektur [Laufer 2020]):

Kommentar s. Arachne 5922.