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106124: Statuette des Asklepios

Berlin, Staatliche Museen, Antikensammlung Berlin

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Catalog text

Name:

Statuette des Asklepios

Inventory number:

Sk 71

Author:

Carla Schmidt

Provenience:

Aus der Slg. Natali/Rom (Inventar der Skulpturen I, S. 22 Nr. 71). 1766 durch Bianconi in Rom erworben (Hüneke 2009, S. 422 Nr. 275 [Ulrike Müller-Kaspar]).

Measurements:

H. ges. 124,5 cm, ohne Plinthe 117,5 cm; H. Kopf (von Bartspitze zu Kalotte) 19 cm; B. Kopf 14,7 cm; H. der Plinthe 7 cm; B. der Plinthe 35,5 cm; Tiefe der Plinthe 30 cm (links), 31,5 cm (rechts).

Material/Technique:

Körper: Feinkörniger Marmor; Kopf: Grobkristalliner Marmor.

Preservation:

Antik sind der Torso und ein nicht zugehörigerKopf. An der Mantelpartie, die senkrecht nach unten über den Oberkörper geführt ist, sind einige Faltenrücken abgebrochen und stark bestoßen. Auf gleicher Höhe befindet sich auf der linken Brustpartie eine tiefe Kerbe. Auf der rechten Brust sind runde und ovale helle Stellen erkennbar, die darauf hindeuten, dass hier kleinere Fehlstellen modern aufgefüllt wurden. Im Gesicht befinden sich partiell orange-bräunliche Verfärbungen, so z.B. auf der linken Wange und im Haar.

Additions:

Die Statuette wurde 1767 in der Werkstatt von Cavaceppi ergänzt (Howard 1982, S. 119). Modern angefügt sind die Basis und die Füße mit Teilen des unteren Mantels und des Saumes, die Stütze in Form eines Baumstammes sowie der größte Teil der links vom eingestützen Arm herabfallenden Mantelpartie. Weiterhin sind der rechte Arm ab der Schulter und der Schlangenstab ergänzt. Zwischen Brust und Hals ist ein schmaler Streifen des Oberkörpers im Bereich des Brustbeins und dementsprechend auf der Rückseite ein Teil des Nackens, der rechten Schulter und des Mantels ebenfalls modern ergänzt. Kopf und Körper gehören ursprünglich nicht zusammen, sondern wurden erst im 18. Jh. zusammengesetzt. Am Kopf sind darüber hinaus die Nase und ein kleiner Teil der Stirn über dem rechten Auge im Bereich der Augenbraue modern (Hüneke 2009 [Ulrike Müller-Kaspar], S. 422). Am 09.12.2005 wurde die Statuette durch Gerhard Kunze und Sebastian Röhl restauriert (Dokumentation vorhanden).

Inventories/Archival materials:

Inventar der Skulpturen I, S. 22 Nr. 71.

Catalogs:

Tieck 1830, S. 24 Nr. 161; Gerhard 1836, S. 98 f. Nr. 161; Tieck 1836, S. 25 Nr. 161; Tieck 1885, S. 19 Nr. 71; Conze 1892, S. 36 Nr. 71; Grassinger u.a. 2008, S. 116 f.; Hüneke 2009, S. 422 Nr. 275 (Ulrike Müller-Kaspar).

Bibliography:

Levezow 1822, S. 361 Nr. 1; Berger 1982, S. 63–71; Howard 1982, S. 120. 258 Potsdam Nr. 2.
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Description:

Die Statuette zeigt eine männliche, aufrecht stehende Figur, die mit einem Mantel bekleidet und auffallend schlank gestaltet ist. Das rechte Bein ist das Standbein, das Linke als Spielbein angewinkelt, kaum zur Seite, aber deutlich nach hinten gesetzt, wobei der linke Fuß die Plinthe nur mit dem Ballen berührt. Der schmale Oberkörper ist gerade aufgerichtet und weder im Hüft- noch im Schulterbereich wird eine kontrapostische Durchgliederung ersichtlich. Der linke Arm ist angewinkelt und hinter den Rücken geführt. Die Statuette ist mit einem langen Mantel bekleidet. Auf der linken Seite fällt er von hinten kommend in einem Wulst aus drei dicht nebeneinanderliegenden, weitestgehend parallelen Falten senkrecht über den Oberkörper. Der linke Arm ist vollständig von dem Mantel bedeckt, der hier sehr glatt gebildet und im Bereich des Oberarmes in seiner Stofflichkeit lediglich mittels wenig erhabener, weit auseinander stehender Faltenrücken strukturiert ist. Der Unterarm wird eng von dem Mantel umschlossen und zeichnet sich deutlich durch den Stoff ab. Unter dem Arm lösten sich ehemals Stoffbahnen des Mantels; diese sind jedoch nur im Ansatz antik erhalten.
Auf der Rückseite der Statuette ist der Mantel diagonal über den Rücken gelegt und nur wenig unterhalb der Achsel auf der rechten Seite wieder nach vorne geführt. Von dort verläuft er zunächst zu einem einmal verdrehten Querwulst zusammengerafft leicht nach links unten. Darunter folgt ein Überschlag, der auf der rechten Seite sehr steil herabfällt, dessen Saum dann bogenförmig seinen Verlauf ändert und diagonal über den Körper schräg nach links unten verläuft. Darunter wiederum fällt der Mantel weit herab und bedeckt Spiel- und Standbein, deren Konturen sich deutlich abzeichnen. Der Stoff ist hier im Wesentlichen durch drei plastisch ausgebildete, voluminöse Falten gegliedert. Diese sind vom Überschlag ausgehend steil von links oben leicht schräg über den Unterkörper geführt. Sie gabeln sich entweder in ihrem Anfang oder Ende und laufen unten bogenförmig aus. Die dazwischenliegenden Gewandpartien besitzen eine glatte Struktur.
Die Rückseite der Statuette ist fast vollständig durch den Mantel verdeckt, der wie ein Vorhang nahezu keine Körperkontur erkennen lässt. Seine Oberfläche zeichnet sich durch einen Kontrast aus breiten, glatten und harten Flächen und riffelartigen, dünnen Faltenrücken aus, die sich von links oben fächerartig öffnen, diagonal über die Rückseite nach rechts unten verlaufen und durch ihren graphischen Charakter die Rückseite der Statuette dominieren.

Der in seiner Oberfläche recht stark beschädigte Kopf der Statuette ist leicht nach rechts gewandt und trägt einen Vollbart. Seine Frisur besteht aus lockigen bzw. stark gewellten Haaren, die auf der Rückseite bis in den Nacken fallen. Durch eine schmale Binde wird das Haar darüber dicht am Ober- bzw. Hinterkopf gehalten, während es darunter voluminös hervorquillt. Die Binde trennt optisch also gleichzeitig das flach gestaltete Haar der Kalotte und den vollen Haarkranz darunter. Das Gesicht wird seitlich von kürzeren Strähnen gerahmt; über der Stirn sind die Haare in einer Art Anastolé aufgeworfen. Das Haar selbst ist in dicke Strähnen untergliedert; breite und tiefe Bohrkanäle separieren zum einen die einzelnen Strähnen und strukturieren zudem grob deren Oberfläche. In der rechten Seitenansicht ist ein sehr breiter Verbindungssteg zu erkennen, der auf Mundhöhe quasi waagerecht den Kanal zwischen zwei hintereinander liegenden Strähnen überbrückt. Die Strähnen bilden trotz ihrer Plastizität eine kompakte Masse. Am Hinterkopf sind die Haare zudem weniger plastisch ausgearbeitet; die Haarmasse ist hier durch s-förmig geschwungene, parallele, breite Haarsträhnen, die unterhalb der Haarbinde durch tiefe Einkerbungen, am Oberkopf nur durch Ritzlinien voneinander getrennt sind, beruhigter angelegt.
Die einzelnen Strähnen des Vollbartes sind stark gelockt und zeichnen sich durch eine voluminöse, „buckelige“ Form aus und dadurch, dass sie in den Enden schneckenförmig eingedreht sind. Im Bereich des Kinns befinden sich zwei Paare jeweils gegeneinander gedrehter, breiter Spirallocken, die den Bart mittig teilen. Wie das Kopfhaar sind auch die Bartsträhnen durch tiefe und breite Bohrkanäle getrennt. Wie dort sind die Strähnen jedoch in ihrer Struktur nicht weiter differenziert, einzelne Löckchen werden kaum abgegrenzt; auch der Bart ist also insgesamt eher als kompakte Masse angelegt. Darüber hinaus sind in den eingedrehten Strähnenenden zahlreiche Bohrlöcher erkennbar.
Das Gesicht zeichnet sich vor allem durch die Augen mit den „schweren“ Lidern aus, die sehr dick und wulstig ausgearbeitet sind, die Augäpfel als breites Band umschließen und unten wie oben durch Kerben bzw. Mulden von der restlichen Gesichtsoberfläche abgesetzt sind. Die inneren Lidwinkel sind durch Bohrlöcher angegeben. Über den Augenbrauen setzt sich eine mäßig ausgeprägte Stirnwulst mit einer leichten Einziehung, die wie eine dünne Falte anmutet, von der Oberstirn ab.

Dating:

Die Statuette Sk 71 ist ein römisches Werk, deren Körper evtl. nach dem Vorbild eines griechischen Originals des 4. Jhs. v. Chr. entstanden ist, während der nicht zugehörige Kopf möglicherweise ein hellenistisches Vorbild besitzt (Hüneke 2009, S. 422 [Ulrike Müller-Kaspar]).
Der Torso der Statuette wird als antoninische Ausführung der zweiten Hälfte des 2. Jhs. n. Chr. angesprochen, wofür der „hartkantige Gewandaufbau“ spricht (Hüneke 2009, S. 422 [Ulrike Müller-Kaspar]). So lässt der Vergleich mit einem Kaiserporträt des Marc Aurel (Dresden, Staatliche Skulpturensammlung, Inv. 386; Wegner 1939a, Taf. 19) und mit einer Statue eines jungen Mannes, die in die Zeit unmittelbar nach der Regierungszeit des Kaiser Lucius Verus datiert wird (Kopenhagen, Ny Carlsberg Glyptotek, Inv. 714; Johansen 1995, S. 218–221), deutliche Ähnlichkeiten in der Gewandgestaltung erkennen. Sie alle zeichnen sich durch einen Kontrast aus glatten, starr und fest wirkenden Gewandpartien und dicken, klar akzentuierten Falten mit z.T. runden, z.T. schärferen Faltenrücken aus, die sehr plastisch herausgearbeitet bzw. tief eingeschnitten sind und dadurch für einen starken Licht-Schatten-Kontrast sorgen. Wie bei der Statuette Sk 71 wirkt der Stoff bei den verglichenen Plastiken sehr schwer und starr.

Der nicht zugehörige Kopf der Statuette Sk 71 wurde zuletzt in spätantoninische Zeit datiert (Hüneke 2009, S. 422 [Ulrike Müller-Kaspar]). Der Vergleich mit einem Kaiserporträt des Septimius Severus, das in die letzten Jahre des 2. Jhs. n. Chr. datiert wird (Rom, Museo delle Terme, Inv.-Nr. 345; McCann 1968, S. 145 Nr. 30 Taf. 42), kann m. E. die Datierung noch minimal nach unten verschieben, denn bei beiden sind Bart und Haare durch breite und relativ lang geführte Bohrkanäle in dicke Strähnen unterteilt. Die Haare bilden eine kompakte Masse, die den Kopf wie eine Kappe fest umrahmt. Die Bärte zeigen außerdem zahlreiche Bohrlöcher in den Strähnenenden.

Interpretation:

In der Forschung wurde die Statuette stets als Darstellung des Gottes Asklepios angesprochen (vgl. exemplarisch Cavaceppi I 1768, Taf. 34 [„Esculapio“]; Grassinger 2008, S. 116 f.). Zuletzt wurde diese Zuweisung jedoch in Frage gestellt und man sprach sich für eine Interpretation als Zeus aus, da es für die Ergänzung des typischen Attributes des Asklepios, den Schlangenstab, keine Anhaltspunkte gäbe und der in einen Mantel gehüllte Torso nicht mit einem der sicheren Asklepiostypen in Verbindung zu bringen sei (Hüneke 2009, S. 422 [Ulrike Müller-Kaspar]). Bereits Conze hatte die Deutung als Zeus in Erwägung gezogen (Conze 1891, S. 36 f.). In der Tat ist die ehemalige Existenz eines Schlangenstabes an der Statuette nicht zu belegen. Die Behauptung jedoch, das Bewegungsmotiv und die Gewandgestaltung der Statuette ließen sich nicht in die aktuell bekannte Asklepios-Ikonographie eingliedern, sondern entsprächen eher der des Gottes Zeus, muss an dieser Stelle zurückgewiesen werden. Dabei sind vor allem der Verlauf der Querwulst, der darunter befindliche Überschlag, die auf den Rücken geführte linke Hand und die vollkommene Verhüllung des angewinkelten linken Armes durch den Mantelstoff von Bedeutung. In dieser Kombination lassen sie sich zumindest grob mit einer Darstellungsweise des Heilgottes, nämlich mit dem sog. Typus Klein-Glienicke, in Verbindung bringen (Kranz 1989, S. 107–121 Abb. 1–16). Auf eine unmittelbare Zuordnung zu diesem muss jedoch auf Grund einiger Unterschiede bzgl. der Detailformen verzichtet werden. Demgegenüber ist m. E. keine eindeutig als Zeus zu identifizierende Darstellung bekannt, die diese Kombination aus Gewand- und Bewegungsmotiv zeigt.

Reception:

Nachdem die Statuette 1767 nach Potsdam gelangt war, wurde sie vermutlich 1769 neben einem der beiden Kamine in der Marmorgalerie des Neuen Palais aufgestellt und ist dort bis 1775 nachweisbar (Oesterreich 1775, S. 55 Nr. 363). Am 26. März 1830 wurde sie an das Königliche Museum übergeben und auf der Galerie der Rotunde aufgestellt (Hüneke 2009, S. 422 [Ulrike Müller-Kaspar]).