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104154: Votivrelief an Zeus Meilichios

Berlin, Staatliche Museen, Antikensammlung Berlin

Catalog text

Name:

Votivrelief an Zeus Meilichios

Inventory number:

Sk 722

Author:

Ursula Kästner; Klaus Hallof (Inschrift [keine Autopsie])

Provenience:

Athen, gefunden zusammen mit Sk 723 am Hafen Zea, unweit der Zillerschen Häuser bei Anlage der neuen Strasse dorthin. 1879 erworben in Athen durch Prof. v. Heldreich (Blümel 1966, S. 75. Sicher identisch mit Theodor Heinrich Hermann v. Heldreich, Botaniker [1822 in Dresden – 1902 in Athen])

Measurements:

H.: 48 cm; B.: 31 cm; T.: bis 4,5 cm; Einlasszapfen mittig H.: 4,5 cm; B.: 17,5 cm

Material/Technique:

Weiß-grauer mittelkristalliner Marmor (Blümel 1966, S. 75: Hymettischer Marmor)

Preservation:

Oberfläche und Rückseite verwittert, Ansichtsfläche ist oberflächlich mehrfach angerissen und leicht reduziert; rötliche Patina. Bestoßungen am oberen Rand, der rechten Seite und der linken unteren Ecke der Platte, die rechte Ecke des Einlasszapfens fehlt. Zahneisenspuren am unteren Ende der Platte und am Einlasszapfen.

Additions:

März–April 1998 Restaurierung (Reinigung und Entfernen des den Einlasszapfens umgebenden Sockels) durch Aurelia Badde, Dokumentation vorhanden.

Inscription:


Mounting place:

1-zeilige Inschrift über dem Relief.

Line height:

0,8 cm

Wording:

– –c.12– – Διὶ Μειλιχίωι.

Translation:

[– – – (hat dies geweiht)] dem Zeus Meilichios.

Bibliography:

Kirchner, IG II/III² 4620 (Abklatsch); Curbera, IG II/III³ 4, Vgl. Mitropoulou 1977a, 129 n. S. 21; Lalonde 2006, S. 115 (ZM 35).

Inventories/Archival materials:

Inventar der Skulpturen II, S. 208, Nr. 722; Archiv Antikensammlung Rep. 1 Abt. A Inv 15; Archiv Antikensammlung Rep. 1 Abt. A Obj. 4 (Graphokopie H. Sander K.G.); Archiv Antikensammlung Rep. 1 Nachlaß Zahn Z 68 (Fotografien von Reliefs, Cippus und Marmorkopf)

Catalogs:

Conze 1891, S. 270 Nr. 722; Blümel 1966, S. 75 Nr. 87 Taf. 119 (K 90) (mit Lit.) Taf. 119; Rohde 1968, S. 150-151 Abb. 109;

Bibliography:

Vikela 1997, S. 236 Anm. 236.
Zum Heiligtum des Zeus Meilichios bzw. Philios im Piräus, östlich vom Zea-Hafen, vgl. Milchhöfer 1881, 60–61; Greifenhagen 1937, S. 240; Judeich, 1931, S. 435; Lalonde 2006, S. 114.
Allgemein zu Zeus Meilichios:
Lazzarini 1998; Lalonde 2006; Vonderstein 2006
Zu den diasia: Parke 1987
Zum Abkürzungsverzeichnis

Description:

Das hochrechteckige Relief ist ohne seitlichen Rahmen, oben schließt es mit einem glatten Kyma und einer schmalen glatten Randleiste ab. Dargestellt ist eine große Schlange, die sich in mehrfachen Windungen und ineinander verknotet auf dem felsigen Boden erhebt. Auch der Schlangenschwanz beschreibt einen Bogen. Der Kopf mit Kinnbart ist nach links ausgestreckt, das Maul ist geschlossen. Der Schlangenkörper ist durch einen seitlichen Grat ab dem Hals strukturiert.
Oben auf der Randleiste haben sich noch Reste der Weihinschrift erhalten. Der Name des Stifters stand links davor und ist bis auf den Rest eines Buchstabens mit Schlageisen getilgt worden.

Dating:

1. Hälfte 4. Jh. v. Chr.
Inschrift: 4. Jh. v.Chr. (Kirchner, nach den Buchstabenformen; 4./3. Jh. v. Chr. Lalonde 2006, S. 115 [ZM 35])

Interpretation:

Zeus Meilichios, dessen Epitheton Freundlichkeit und Milde ausdrückt, und das er mit anderen Göttern teilt, bringt den Menschen Wohlstand und Fruchtbarkeit. Dargestellt wird er oft mit Füllhorn, manchmal auch in Anwesenheit einer Schlange. Der Daimon in Form einer großen Schlange steht aber auch stellvertretend für die Verehrung des Zeus und betont den chthonischen Aspekt des Gottes als Schützer der Toten. Während der diasia (23. Tag der Anthesteria) wurden Zeus Meilichios und oft auch Demeter in einem Fest außerhalb der Stadtmauern blutlose Opfer (v.a. Kuchen in Form von Nutztieren) gebracht.
Als Heiligtümer sind bislang wenige, v.a. das neben dem Demeter Malophoros Heiligtum in Selinunt gelegene bekannt, in dem anikonische und figürliche Kultbilder und Weihgeschenke gefunden wurden (Vonderstein 2006, 198-208). Auch in Griechenland (u.a. Chaironeia: Stelen) sind mehrere Weihegaben an Zeus Meilichios und speziell in Athen im Piräus Weihreliefs an Zeus Meilichios aber auch an Zeus Philios gefunden worden (Vikela 1997, S. 236-237). Es ist anzunehmen, dass dem Gott auch dort eine Kultstätte errichtet worden war. Ein weiteres Heiligtum des Zeus Meilichios befand sich möglicherweise am Abhang des Nymphenhügels im Pnyxgebiet, in dem der Temenos durch eine Felsinschrift (HOROS DIOS) bezeichnet wird (Lalonde 2006).
Die Darstellung der Schlange mit Kinnbart geht auf archaische Bildtraditionen zurück.