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104037: Weihrelief an Kybele

Berlin, Staatliche Museen, Antikensammlung Berlin

Catalog text

Name:

Weihrelief an Kybele

Inventory number:

Sk 691

Author:

Mirko Vonderstein mit Ergänzungen durch Janina Rücker auf Grundlage von Schwarzmaier – Scholl – Maischberger 2012 (Ursula Kästner).

Provenience:

Angeblich in Piräus gefunden. (Conze 1891, S. 257-258 Nr. 691; Inventar der Skulpturen I, S. 198 Nr. 691).

Dimensions:

H. 51 cm, B. 44 cm, T. 9 cm.

Material and technique:

Feinkristalliner Marmor mit leicht gelblicher Verfärbung und wenigen bräunlichen Ablagerungen, graue Äderung; Rückseite in Spitzeisenbosse; linke Seitenfläche und vorderer Rand der Fußleiste zeigen Zahneisenspuren; auf dem Reliefgrund sind gelegentlich Raspelspuren erkennbar.

Condition:

Das Relief ist oben über den Köpfen der beiden Frauen und rechts inmitten des Körpers der männlichen Figur gebrochen (allein der rechte Arm und das rechte Bein sind noch vorhanden). Der unten am Relief sitzende, einst wohl mittig platzierte Einlasszapfen zeigt, dass etwa die Hälfte des Reliefs, bezogen auf seine Breite, erhalten ist. Zahneisenspuren an der Fußleiste. Die Rücklehne am Thron der sitzenden Statue ist gebrochen.

Inventare/Archivalien:

Inventar der Skulpturen I, S. 198 Nr. 691.

Catalog:

Conze 1891, S. 257 f. Nr. 691; Blümel 1966, S. 73 f. Nr. 86; Antikensammlung 1992, S. 128 Nr. 39; Antikensammlung 1998, S. 144 Nr. 79; Schwarzmaier – Scholl – Maischberger 2012, S. 96 f..

Literature:

Schrader 1941, S. 65; Picard 1948, S. 24 Abb. 4; Simon 1953, S. 81;
Akurgal 1955, S. 30 Anm. 36; Dohrn 1957, S. 160. 164; Picard 1963, S. 1248 Anm. 5. S. 1249 Anm. 2; Vierneisel-Schlörb 1979, S. 509−511 Anm. 11; Vermaseren 1982, Nr. 310; Fuchs 1983, S. 531 Abb. 622; Naumann 1983, S. 169. 175 f. Nr. 135 Taf. 25; Simon 1987, S. 159;
Güntner 1994, S. 30 f. B1 Taf. 13.
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Description:

Das Relief war seitwärts von Anten eingefasst. Links sitzt auf einem Throne, der in flacherem Relief vor die Ante tritt, die nach rechts gewandte Göttermutter. Bekleidet ist sie mit einem Chiton und darüber kunstvoll drapiertes Himation. Es ist über den Hinterkopf gezogen und beidseits des Kopfes über die Schultern und den Unterkörper gelegt, wo ein bleibeschwerter Gewandzipfel auf dem linken Oberschenkel zum Liegen kommt. An den Füßen reicht das Himation bis kurz über die Fußknöchel. Darunter ist noch ein schmaler Streifen des Chitons zu sehen, der in der Mitte des rechten Fußrückens endet. An der Fußunterseite ist die Sohle einer Sandale erkennbar, die Füße selbst ruhen auf einem niedrigen Fußschemel. Auf dem Kopf trägt die Göttin ein flaches Diadem, ihr rechtes Ohr ist mit einem scheibenförmigen Ohrring geschmückt. In der vorgestreckten rechten Hand hält sie eine kannelierte Opferschale, in der linken balanciert sie gleichsam auf den Fingerspitzen das Tympanon, in dessen Mitte noch ein Zirkelpunkt erhalten ist. Der Thron, auf dem sie sitzt, ist prachtvoll verziert: die Beine sind mit Voluten – teils geritzt, teils plastisch ausgearbeitet – geschmückt, die Armlehne wird von einer Sphinx getragen, und die Rückenlehne war ursprünglich bekrönt – möglicherweise von einem Pinienzapfen, wie die erhaltenen Reste vermuten lassen. Über die Sitzfläche ist zudem ein Tuch gelegt, welches noch ein Stück seitlich am Thron herabfällt. Vor dem Thron und der Göttin zur Seite liegt ein Löwe, der schräg nach vorne aus dem Relief herausblickt. Seine Mähne steht über der Stirn flammenartig empor und umrahmt das Untergesicht in zwei Lockenreihen.
Rechts neben Kybele, ihr zugewandt und auf sie herabblickend, steht eine weitere weibliche Figur. Ihr linkes Bein hat sie ein wenig nach hinten zurückgesetzt; das rechte wird größtenteils von der Thronenden verdeckt. Sie ist ebenfalls mit Chiton und einem Mantel bekleidet, der allein die Brustpartie und den rechten Unterarm freilässt. Über die linke Armbeuge gelegt und mit der rechten Hand stabilisierend hält sie eine Fackel. Das Haar wird am Oberkopf durch zwei Haarbänder geschmückt und am Hinterkopf zu einem Schopf zusammengefasst. Unterhalb des Mantelsaums und auf dem Fußrücken aufliegend ist wie bei der Sitzenden noch ein Stück vom Chiton zu erkennen, der bis auf den Boden reicht.
Von der rechts anschließenden, jugendlich-männlichen Figur sind nur noch der rechte herabhängende, unbekleidete Arm mit einer Kanne in der Hand sowie das ebenfalls unbekleidete rechte Bein erhalten.

Dating:

Anfang 4. Jh. v. Chr. (Antikensammlung 1998, S. 144 Nr. 79: 380−370 v. Chr.).

Generation:

Die Thronende kann aufgrund ihrer verschiedenen Attribute, wie dem rechts neben ihr liegenden Löwen und dem Tympanon, als die Göttin Kybele identifiziert werden. Sie wurde zu religiösen Festen auf einem von Löwen und Panthern gezogenen Wagen gebracht. Der Löwe ist dabei ein Zeichen ihres orientalischen Ursprungs (Löwengöttin, zugleich auch „Herrin der Tiere“) und stellt die Verbindung zu verwandten Göttinnen wie Ischtar in Babylon und Astarte im phönizisch-assyrischen Raum her. Die andere weibliche Figur wird als Hekate oder Kore gedeutet; bei der männlichen, nur noch im fragmentarisch erhaltenen Zustand erkennbare Figur, wird es sich um Hermes Kadmilos handeln.
Im 5. Jahrhundert v. Chr. brachten Kaufleute und Sklaven den Kybele-Kult nach Griechenland. Das dazugehörige orgiastische Treiben mit sich selbst entmannenden Priestern, ekstatischen Tänzen und erregender Musik, die die Kultgemeinde in temporären Wahnsinn trieb, wurde von den obersten Schichten der griechischen Bevölkerung verachtet. Im Volke wurde Kybele jedoch sehr verehrt. Als Heilgöttin schützte sie besonders Wöchnerinnen und Kinder. Die große Faszination, die von dieser Göttin ausging, verbreitete sich besonders in hellenistischer Zeit, und im Jahr 204 v. Chr. wurde der Kult der nun als »Magna Mater« bezeichneten Göttin in Rom eingeführt. Das Relief ist wahrscheinlich in Anlehnung an ein monumentales Kultbild, das Agorakritos für ihr Heiligtum in Athen gestaltet hatte, geschaffen worden. (Schwarzmaier – Scholl – Maischberger 2012, S. 96-97 [Ursula Kästner]).

Reception:

Das Relief wurde angeblich im Piräus gefunden und dort 1877 von Curtius für Berlin erworben (Conze 1891, S. 257 f. Nr. 691; Inventar der Skulpturen I, S. 198 Nr. 691).