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104015: Stele Giustiniani

Berlin, Staatliche Museen, Antikensammlung Berlin

Catalog text

Name:

Stele Giustiniani

Inventory number:

Sk 1482

Author:

Katja Sporn

Provenience:

Herkunft unbekannt, Slg. Giustiniani, Venedig, 1897 für Berlin erworben (Milchhöfer 1880, S. 168 Anm. 1 schreibt „einst in Venedig“: zu diesem Zeitpunkt eventuell in einem anderen Besitz?).

Dimensions:

H. 143, B. 40–46, T. 9–12 cm.

Material and technique:

Gräulich-weißer, großkristalliner Marmor (wahrscheinlich parisch).

Condition:

Vollständig, aber am Rand bestoßen, Bruchkante durch den Hals des Mädchen und zur rechten Seite hin abfallend; Seiten geglättet, Rückseite grob gepickt, rechts und links auf den Schmalseiten unterhalb des Kymas je ein Bohrloch, in dem Zapfen zur Aufhängung von Binden gesteckt haben. – Antike Bearbeitungsspuren: Aus anderem Material waren die Peplosporpe und ein Ohrring eingesetzt, von dem sich noch Bronze erhalten hat. Offenbar bereits von einer antiken Beschädigung rührt die Abarbeitung zwischen Apoptygma-Rand und rechtem Oberschenkel her: Hier wurde die Oberfläche abgeflacht und dabei der Ansatz der rechten Steilfalte abgearbeitet.

Completions:

Der durch den Hals des Mädchens verlaufende Bruch wurde aneinandergefügt und am Reliefgrund oberhalb sowie rechts von der der rechten Hand vergipst.

Inventare/Archivalien:

Inventar der Skulpturen II, S. 73 Nr. 1482.

Catalog:

Kurze Beschreibung 1911, S. 97 Nr. 1482 Taf. 27; Blümel 1928, S. 21–24 K 19 Taf. 27–28; Blümel 1966, S. 12–14 Nr. 2 (K 19) Abb. 2. 4. 6. 9; Heres – Kunze 1984, S. 23 Nr. 25 Abb. 20; Knittlmayer – Heilmeyer 1998, S. 132 f. Nr. 71 (Max Kunze); Heilmeyer 2002, S. 121 Kat. Nr. 23; Pergamonmuseum, Berlin. 66 Meisterwerke (2005) p. 66-67 (A. Scholl); Scholl – Platz-Horster 2007, S. 150 f. Nr. 86 und Frontispiz (Detail) (Max Kunze).

Literature:

Thiersch et al. 1826, S. 260; Milchhöfer 1880, S. 168 Anm. 1 Antike Denkmäler I, S. 20 Nr. 2 Taf. 33, 2 (von Schneider); Brunn-Bruckmann 417c; Michaelis 1882, S. 230; Brueckner 1886, S. 8; Furtwängler 1883–1887, Einleitung S. 6 Anm. 6 Abb. S. 7; Heberdey 1890, S. 215 f.; Furtwängler 1893 a, S. 80; Meurer 1896, S. 130 f. Abb. 15 (Anthemion); Studniczka 1903, S. 168; Watzinger 1903a, S. 35 Nr. 18; Curtius 1906, S. 181; Studniczka 1911, S. 188; Reinach 1912, S. 39 Nr. 1; Schrader 1913, S. 9 Abb. 4; Schröder 1915 b, S. 13 Abb. S. 14; Studniczka 1916, S. 224 Abb. 37; Caskey 1918, S. 122 Abb. 10; Kekulé von Stradonitz 1922, S. 175 Abb. S. 176; Buschor – Hamann 1924, S. 36; Kjellberg 1926, S. 9 Anm. 2. 4; S. 12. 14; Möbius 1929, S. 11–13 Taf. 2a; Rodenwaldt 1926, S. 238; Jacobsthal 1927, S. 166. 195 Taf. 139a; Langlotz 1927, S. 140–146; Richter 1927, S. 102; Bieber 1928, S. 33 Taf. I 1; Buschor 1929, S. 151; Diepolder 1931, S. 8; Schmidt 1931, S. 4. 7. 9; Buschor 1933, S. 44 Beil. 17, 1; Schrader 1932, S. 64 Abb. 65; Herrmann 1933, 860; Poulsen 1937, S. 86 f.; Gerke 1938, S. 240 Abb. 144–145; Weickert 1946, S. 39 Abb. 21; Carpenter 1950, S. 326 Abb. 4 rechts; Lippold 1950, S. 115 Anm. 5; Friis Johansen 1951, S. 132 f. Abb. 66; Walter 1951, S. 595 Anm. 2; Walter 1952, S. 118–123; Picard 1954, S. 270 Anm. 1; Schuchhardt 1954, S. 8 Taf. 10a; Akurgal 1955, S. 16. 18. 26 Nr. 5; Andronikos 1956, S. 206; Karusos 1956, 245; Dohrn 1957, S. 91. 94. 122. 192; Kleemann 1958, S. 83. 183 Anm. 380. 404; Schott 1959, S. 58 Abb. 31; Biesantz 1965, S. 27. 61. 108 Anm. 36; Alscher 1963, S. 52. 53 sowie Anm. 142 Abb. 50; Boardman et al. 1966, S. 131 Taf. 169 re; Eckstein 1969, S. 16. 21 Abb. 7. 9; Ridgway 1970, S. 47 f. Abb. 67; Kurtz – Boardman 1971, S. 222 Abb. 52; Heimberg 1973, S. 21 Anm. 52; Vierneisel 1973, S. 33 Abb. 23; Hiller 1975, S. 87–89. 96. 121–123. 131. 175 f. K 8 Taf. 17, 2; 30, 3; Walter-Karydi 1976, S. 8 f. 19 Abb. 5, 3. 12, 3; Kostoglou-Despini 1979, S. 81 f. 100–105. 141. 148. 151. 158. 160. 163; Lullies 1979, Abb. 122–123; Neumann 1979, S. 46; Tölle-Kastenbein 1980, S. 86 f. Taf. 53; Nakayama 1982, S. 112 Abb. 33; Croissant 1983, S. 113 f. Taf. 33; Boardman 1985, S. 103 Abb. 51; Clairmont 1986, S. 36; Tölle-Kastenbein 1986, S. 49 f. 69. 72; Walter-Karydi 1987, S. 92. 124; Berger 1990, S. 53. 61 Beil. 7, 3; Stewart 1990, S. 149 Abb. 305; Fuchs 1993, S. 479–481 Abb. 562; Rolley 1994, S. 359 mit Anm. 5; Schäfer 1996, S. 111 Anm. 3. 5; 113 Anm. 18; Despinis et al. 1997, S. 26; Zapheiropoulou 1999, S. 267; Berranger-Auserve 2001, S. 40; Zapheiropoulou 2001, S. 483–485 Taf. 77, 4; Kaminski 2004, S. 54. 60. 63 Abb. 58; Kreikenbom 2004, S. 215. 232; Patay-Horvath 2008, S. 126 Nr. 232.
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Description:

Die Palmettenstele mit reliefiertem Bildfeld verjüngt sich nach oben, während der Reliefgrund allseits in die rahmenden Leisten über geht. Unten begrenzt ein auch auf die Schmalseiten übergehendes Kyma reversa das Feld, zum Anthemion hin ein Kyma recta, gefolgt von einer Leiste. Dargestellt ist auf einer gesondert hervorstehenden Standleiste ein im Profil nach rechts stehendes Mädchen im offenen Peplos. Sie füllt etwas mehr als die linke Reliefhälfte aus und ist mit geneigtem Kopf versunken in ihre Aktion, die die rechte Reliefhälfte einnimmt. In der flachen linken Hand hält sie dort eine Pyxis, während sie mit der rechten Hand einen ursprünglich gemalten Gegenstand mit gespitzten Fingern seitlich darüber hält. Am Boden rechts vor ihr steht umgewendet der Deckel der Pyxis. Das Mädchen ist bekleidet mit einem stoffreichen offenen Peplos, dessen seitliche Saumfalten gegenläufig gestaltet sind. Ein Stoffstück bedeckt den rechten Oberarm, während das Gewand den linken Unterarm in tiefen Falten fast vollständig einhüllt und lediglich die Hand mit der Pyxis freigibt. Der Halsausschnitt ist hingegen ungewöhnlich tief und ebenfalls faltenreich. Ein Bohrloch an der rechten Schulter rührt von einer ursprünglich eingesetzten Gewandnadel, ebenso war auch am Ohr einst ein metallener Ohrschmuck eingesetzt. Das Haar ist durch eine dreifach umgeschlungene Binde eingewickelt, in deren auseinandergezogenen Stoff am Hinterkopf das lange Haar eingeschlagen ist, das nach oben herausschaut. An den Füßen trug sie Sandalen, von denen sich Sohlen erhalten haben, während die ursprünglich gemalten Bänder nicht erhalten sind.
Das Anthemion ist als Palmettenakroter gebildet. Aus einem dreigeschossigen Blattkelch, bestehend aus zwei Akanthusblättern unten, darüber zunächst zwei Blätter, der obere zusätzlich mit Deckblatt, wachsen die gerippten Voluten hervor. Die elfblättrige Palmette mit fein gerippten Blättern wächst aus einer Kernpalmette hervor, die hinter einem sich verjüngenden Kelchblatt angeordnet ist.

Dating:

Die vorgeschlagenen Datierungen reichen von 470/460 v.Chr. bis um 440 v.Chr., wobei meist eine zeitliche Ansetzung in die Jahre um 460 bis 450 v. Chr. favorisiert wird. Die Datierungen können nur stilistisch für die Relieffigur und das Anthemion erfolgen und nicht außerstilistisch gestützt werden. Als Anhaltspunkte für das Relief bieten sich einerseits die Giebelfiguren des Zeustempels von Olympia (470–456 v. Chr.), andererseits frühklassische Peplosfiguren sowie weitere Grabreliefs an. Eine Datierung in die Zeit der Frühklassik, aber nach den Olympiaskulpturen ist aus mehreren Gründen wahrscheinlich. Die Stele Giustiniani bringt in vielerlei Hinsicht Neuerungen. Es ist das älteste heute bekannte Anthemion, dessen Blattkelch einen Akanthus umfasst (Schott 1959, S. 58) und wird zeitlich gefolgt von der Stele von Karystos, Berlin, Sk 736 (zum Anthemion s. besonders Meurer 1896, S. 130 f.; Watzinger 1903a, S. 35, dieser nennt aus seiner Erinnerung auch eine weitere Parallele im Museum von Eretria, die allerdings bislang nicht bekannt ist; ausführlich: Möbius 1929, S. 11–13; Jacobsthal 1927, S. 195; Buschor 1933, S. 44 Beil. 17, 1 mit Vergleichen). Außerdem lässt sich hier erstmals eine Vorneigung der Palmettenblätter beobachten (Schmidt 1931, S. 4), was an späteren Palmettenbekrönungen hellenistischer Zeit dann gängig ist. Die Figur trägt den in der ionischen Bildkunst üblichen Peplos mit langem Apoptygma, der aber im Verhältnis zu den anderen ionischen Exemplaren kürzer ist. Der charakteristische gegenläufige Saumschlag erscheint in frühklassischer Zeit und auch noch an hochklassischen Beispielen (bereits Studniczka 1916, S. 224 verwies auf das etwas jüngere Weihrelief der Polystrata aus Argos in Berlin, Sk 682, Mitte 5. Jahrhundert v.Chr., Vierneisel 1973, S. 33–35 auf das Taubenmädchen in New York, Metropolitan Mus. 27. 45 und die Mädchenstele in Skyros, Mus. o. Inv., s. ferner zum Vergleich mit der Nike von Paros Hiller 1975, S. 88, Walter-Karydi 1976, S. 8 f.), seit der Parthenonzeit wird aber bei Relieffiguren nicht mehr das vordere Bein, sondern das reliefgrundnahe Bein als Spielbein vorgesetzt (Beobachtung von Fuchs 1959, S. 104 Anm. 31:„nur so ist die volle Entfaltung der Körperlichkeit möglich“). Auch das Auge ist bereits mehr ins Profil gerückt als bei der Sitzenden am Ludovisischen Thron, der ansonsten mit dem Relief eng verwandt ist (Studniczka 1911, S. 188: vergleicht dabei sehr ähnlich gebildetes Auge der trauernden Athena auf dem Relief in Athen, Akropolismuseum Inv. 695, zum Vergleich mit dem Ludovisischem Thron s. Langlotz 1927, S. 143; Alscher 1963, Anm 142).

Generation:

Die Diskussion um die Stele Giustiniani betraf zunächst die Einordnung in eine Kunstlandschaft. Mittlerweile wird die Zugehörigkeit zu dem inselionischen Kunstkreis nicht mehr bezweifelt, zumal auch das Material als parischer Marmor erkannt (allerdings nicht naturwissenschaftlich bestimmt) ist (s. besonders Akurgal 1955, S. 16. 18. 26 Nr. 5; Hiller 1975, S. 87–89. 96. 121–123. 131. 175 f. K 8 sowie die übrigen Kommentatoren, gegen eine ältere Zuweisung von Langlotz 1927, S. 140–146 zu einer nordgriechischen Bildhauerschule, s. jedoch die einschränkenden Bemerkungen zur Verbreitung von parischem Marmor in Athen von Schäfer 1996, S. 113 f.). Die extra eingefügten Leiste als Standfläche der Figuren entstand wohl im ionischen Raum, s. Studniczka 1903, S. 168 mit weiteren Vergleichen, die zeigen, dass dies ursprünglich im Osten entstanden ist, Bsp. Neben verschiedenen Weihreliefs auch Grabreliefs wie die Alxenorstele, Athen, Nat. Mus., Inv. 39, Stele von Syme, Istanbul, Arch. Mus., Inv. 507, ferner weitere Grabreliefs: Eretria, Mus., Inv. 634 E, Hiller 1975, S. 90 f. 177 K 10 Taf. 18, 2).

Keine Einigung konnte jedoch bislang über die Bedeutung des Motivs erzielt werden (s. letzte ausführliche Diskussion bei Hiller 1975, S. 131 Anm. 36). Im Unterschied zu dem häufigsten Behälter auf Grabreliefs, einem rechteckigen Kästchen, das zur Aufbewahrung von Schmuck diente, handelt es sich hier nämlich um eine zylindrische Pyxis, deren Deckel am Boden liegt (anders Berranger-Auserve 2001, S. 40: zwei Pyxiden). Dennoch wird das in der rechten Hand in Farbe zu ergänzende Objekt meist (teils vorsichtig) als Schmuckstück bezeichnet: Ridgway 1970, S. 47: Schmuckstück, vielleicht Kette; Boardman et al. 1966, S. 131: vielleicht Schmuckstück; Friis Johansen 1951, S. 132 f., Stewart 1990, S. 149, Rolley 1994, S. 359 mit Anm. 5, Heilmeyer 2002, S. 121: Schmuckstück. Scholl – Platz-Horster 2007, S. 150 f. (Max Kunze): Gegenstand oder Weihrauchkörner. Nur Blümel 1966, S. 13 meint, dass das Mädchen eine Binde für den Totenkult aus dem Deckel ziehe (diese Funktion wurde von Thimme 1964 auch für die rechteckigen Kästchen angenommen, zur Binde s. Katalogbeitrag zu Berlin, Sk 1473, gegen diese nicht aufgenommene Deutung s. Hiller 1975, S. 131, Anm. 36). Alternativ wurde bereits in der ältesten Besprechung des Reliefs die Pyxis als Weihrauchbehälter angesprochen (Thiersch et al. 1826, S. 260, Curtius 1906, S. 181, Caskey 1918, S. 122, vgl. Ludovisi Relief; Walter 1951, S. 595 Anm. 2 und Walter 1952) oder die Szene schlicht als Opferszene gedeutet (Bieber 1928, S. 33; Schuchhardt). Fuchs 1993 entscheidet sich nicht, bezieht aber beides auf ein bräutliches Motiv: Das vor der Hochzeit jungverstorbene Mädchen führt einen Akt der Hochzeitsfeierlichkeiten aus, der ihr im Leben vergönnt blieb (sehr launig die Bemerkung von Picard 1954, S. 270 Anm. 1, der die Darstellung auf weibliche Koketterie bis in die letzten Momente des Lebens zurückführt).

Als erster hat sich Walter 1952, S. 118–123 mit der Typologie der Pyxis auseinandergesetzt. Es bezeichnet sie als Schachtelpyxis, deren Deckel der Form der eigentlichen Pyxis entspricht und nennt reelle Exemplare aus Korinth in München, Wien sowie hellenistische Exemplare (alle aus Ton). Er verweist darauf, das diese Pyxiden auf Grabreliefs selten sind (einzig sicheres Beispiel aus Athen Clairmont 1993, Nr. 1.050, Athen, Nat. Mus., Inv. 910, von Dohrn 1957, S. 91. 94 sogar in direkte Abhängigkeit zur Stele Giustiniani gesetzt), weit häufiger auf Totenmahlreliefs in den Händen von Frauen, die daraus Weihrauchkörner entnehmen, um sie auf das Thymiaterion zu streuen (antike Bezeichnung: Libanotis). Er deutet die Darstellung auf dem Giustiniani-Relief somit als sepulkrales Rauchopfer.

Tatsächlich handelt es sich hierbei um eine Pyxis des Typus B (Sparkes – Talcott 1970, S. 174 f. Nr. 1291–1293 Taf. 43; Roberts 1978, S. 3; Kotitsa 1996, 171 Anm. 1481), der in Ton in Athen im 2. Viertel des 5. Jahrhunderts v. Chr. geschaffen und bis in das 2. Viertel des 4. Jahrhunderts v.Chr. gefertigt wurde. Es gibt auch marmorne Exemplare dieses Typs (Roberts 1978, S. 2 f.; zur Häufigkeit von Marmorgefäßen, u. a. Pyxiden, aus parischem Marmor s. Rubensohn 1962, S. 63–65 mit Verweisen, allerdings Beispiele des Typus B). Er diente in archaischer und klassischer Zeit meist zur Aufbewahrung von Schmuck, Schminkutensilien, Medizin und zum Verbrennen von Weihrauch (Sparkes – Talcott 1970, S. 173; Roberts 1978, S. 4). Eine eingehende Untersuchung zur Verwendung der unterschiedlichen Typen steht allerdings aus. Jedenfalls fällt auf, dass das Verbrennen von Weihrauch im griechischen Totenkult keine besonders Rolle einnimmt, sondern eher im Alltagsleben und Götterkult vorkommt (Dentzer 1982, S 524 f.). Die von Walter angeführten Weihrauchkästen auf attischen Totenmahlreliefs sind jedenfalls typologisch nicht vergleichbar, da sie eckig und mit Klappdeckel versehen sind, s. etwa Berlin, Staatl. Mus., Inv. K 99 und K 100 (Blümel 1966, S. 68 f. Nr. 79 Abb. 115; 70 Nr. 81 Abb. 114).
In der Entscheidung über Weihrauchbehälter oder Schmuckkästchen wurde bisher nicht berücksichtigt, dass das Mädchen den Gegenstand nicht direkt über den Behälter hält, sondern schräg darüber, sodass die Finger über dem umgestülpt am Boden stehenden Deckel liegen. Dies macht nur Sinn, wenn etwas in den Deckel hineingestreut würde, was wieder für Weihrauch spräche.
Pyxiden, also runde Behälter, treten nicht nur auf Grabreliefs sehr selten auf (s.o.), sondern auch in der weiteren Reliefplastik. Ein Neufund eines Reliefs aus der Zeit des reichen Stils aus Paros zeigt eine frontal stehende weibliche Figur, die in beiden Händen kreisrunde Gegenstände hält, möglicherweise eine von obene gesehene Pyxis mit Deckel (Kourayos – Detoratou 2006, S. 237-248), doch erscheinen die Gegenstände zu groß, um direkt mit der Stele Giustiniani vergleichbar zu sein.