Digitale Fototheken
Arachne


Die Geschichte der Fotothek des DAI Rom


Die frühesten Hinweise, das gerade entdeckte Medium der Fotografie für archäologisch-kunsthistorische Betrachtung von Seiten des DAI Rom nutzen zu wollen, sind in den Monumenti. Annali e Bullettini pubblicati dall’Instituto di Corrispondenza Archeologica aus dem Jahre 1854 bezeugt. In einigen Briefen von Wilhelm Henzen (1. Sekretär des DAI Rom 1856-1887) an Eduard Gerhard davon die Rede, dass bereits unter der Direktion von Emil Braun (1835-1856) die Photographie gelegentlich für Publikationen des Instituts Verwendung fand. Die beiden ältesten Briefe mit derartigen Hinweisen stammen aus dem Jahr 1854. Der von Braun für wohl eine private Anstellung aus München geholte Gustav Reiger (1819-1876) darf als erster für das Institut tätige Fotograf gelten, der zehn Jahre in Rom tätig gewesen sein soll. Seine Fotografien (sog. Daguerrotypien) sind jedoch nicht mehr erhalten. – Kurz vor dem 1. Weltkrieg begann man mit einer Inventarisierung der bis zu diesem Zeitpunkt gesammelten Negative (Glasplatten unterschiedlichen Formats bis 40x60 cm) und Fotografien.

W. Amelung

Ende des 19. Jahrhunderts begann man am Institut damit, wichtige stadtrömische Monumente und antike Sammlungen mit Textteil und zugehörigen Abbildungen zu veröffentlichen. Es waren zuerst Eugen Petersen und Adolf von Domaszewski, die im Jahre 1896 die Marcussäule auf der Piazza Colonna in Rom mit Text und 128 Tafeln publizierten. 1903 bzw. 1908 folgte Walther Amelung (1865-1927), der als Privatgelehrter und gelegentlicher Hilfsarbeiter des Instituts mit seinen in Text- und Bildband erschienenen Katalogen „Die Sculpturen des Vaticanischen Museums“ geradezu paradigmatisch vorlegte, wie Publikationen von Museumsbeständen zeitgemäß auszusehen haben. Noch heute ist „Der Amelung“ eine feste Größe in der Fachliteratur. Der originale Text- und Tafelteil ist seit kurzem im Internet erschlossen und mit den im Laufe von späteren Jahrzehnten vom DAI und dem CoDArchLab (Universität Köln) hergestellten Fotografien verknüpft. Die von Amelung während ausgedehnter Reisen gesammelten Abbildungen und Fotos fanden nach seinem Tod per Testament Eingang in das Institut.

L. Curtius

Waren es in den ersten Zeiten noch zahlreiche Einzeldesiderate, die bei den Fotokampagnen erfüllt wurden, so verlegte sich ein Teil der Arbeiten ab den 1920er Jahren auf die systematische Erschließung von staatlichen und kommunalen Museumsbeständen in der Hauptstadt und in weiten Teilen Italiens. Die Einrichtung einer eigenen, systematisch geordneten Fotothek verdankt das Römische Institut dem seit 1928 (bis 1937) die Geschäfte leitenden Direktor Ludwig Curtius. Ab 1928 wurden jährlich Inventarbücher mit den essentiellen Angaben zur jeweiligen Fotoaufnahme angefertigt. Diese Inventarbücher sind inzwischen über den Bookbrowser der Datenbank Arachne online abrufbar. In Anlehnung an die ihm wohlbekannte Sammlung an Fotografien des Kunsthistorischen Instituts in Florenz wurde das allgemeine Kaufen, Sammeln und Herstellen von Aufnahmen in ein Ordnungssystem überführt, das einen gezielten Zugriff auf die in den Altertumswissenschaften und darunter vornehmlich der archäologischen Forschung an Bedeutung gewinnenden Fotographien ermöglichte. Die Recherche nach fotografischen Aufnahmen wurde nunmehr über drei unterschiedliche Suchvorgänge ermöglicht:

  1. in sog. Fotokästen geordnet (Fotos im Format 18x24) (Plastik, Porträt, Sarkophage, Relief, Architektur, Bauplastik, Topographie, Malerei, Mosaik, Terrakotten, Gold – Silber, Inschriften, Numismatik, Vor - und Frühgeschichte). Innerhalb dieser Gebiete ist dann jeweils typologisch bzw. chronologisch und von Stadtrom ausgehend auf Italien bis in die römischen Provinzen reichend unterteilt.
  2. Abzüge (13x18) institutseigener Aufnahmen, zu denen das DAI das Copyright besitzt sind in den sog. Negativalben wiederum zunächst nach Gattungen und innerhalb derer topographisch geordnet. Bei Fotobestellungen lässt sich hiermit in schnellem Überblick feststellen, welche Stücke oder welche Ansichten als Abzüge in der Photothek geliefert werden konnten.
  3. Die dritte Zugangsmöglichkeit zu den auf italienischem Boden befindlichen Denkmälern (ausgenommen Topographie, Malerei, Mosaik, Terrakotten, Gold und Silber, Inschriften, Numismatik, Vor – und Frühgeschichte) ist durch die alphabetisch nach Städten geordneten sog. Italienkästen gesichert.

Fotothek 1966

Fotothek 2009


1929 wurde die Stelle eines Institutsfotographen mit eigenem Etat installiert. Hans Felbermeyer (geb. 1903) hatte lange Jahrzehnte diese Stelle als sogenannter technischer Assistent inne. Die zu erledigenden Aufgaben waren jedoch dermaßen umfassend, dass mehrfach weitere Fotographen hinzugezogen wurden. So arbeitete Cesare Faraglia (ca. 1870 bis 1950) in dieser Zeit regelmäßig für die Fotothek. Unter der kundigen und umsichtigen Leitung von Hermine Speier (1928-1934; dann aufgrund der Zugehörigkeit zum jüdischen Glauben entlassen) wurde die enorme Arbeitsleistung von sog. Hilfsassistenten durchgeführt. Tätig waren hier:

  • Adolf Greifenhagen ab 10. 1. 1929-15. 4. 1930
  • Ulf Jantzen
  • Frl. Britschkoff im Juni 1930
  • Rudolf Horn ab 1.12. 1932, dann bis 1937 Referent
  • Max Wegner bis 31. 12. 1933
  • Wilhelm Kraiker 1. 1. -1. 4. 1934
  • Roland Hampe 1.4. – 31. 12. 1934
  • Hans Fuhrmann 1. 6. – 31. 12. 1934, 1939/40 allgemeiner Referent
  • Friedrich-Wilhelm Goethert
  • Siegfried Fuchs 1936, dann Leiter der Photothek, ab 1938 2. Direktor
  • Otto Deubner 1.1. – 31.5. 1935
  • Heinrich von Blanckenhagen
  • Ernst Homann-Wedeking 1939-1940

Der 1. Direktor des Instituts, Ludwig Curtius, unterhielt in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts enge Beziehungen zu Kunsthändlern und -sammlern, so dass manches nicht öffentlich aufbewahrtes Werk als Foto im Institut dokumentiert wurde. Als Förderer innerhalb der „Gesellschaft der Freunde des Instituts“ sind vor allem Jakob Goldschmidt (1882-1955) und Paul Kempner (1889-1956) zu nennen. Für fünf Jahre, von 1928 bis 1932, erhielt das Institut von der Gesellschaft jährlich 40.000 Reichsmark, die hauptsächlich für Bibliothek und Fotothek verwendet wurden.

Aquino

Sitzstatue, Museo Torlonia

Bei den Erwerbungen war es, wie in der Bibliothek, von vorneherein das Ziel, mit dem Ausbau der Sammlungen nicht nur den spezifischen Interessen der in Rom tätigen Institutsmitgliedern zu entsprechen, sondern eine – freilich nicht erreichbare – allgemeine Vollständigkeit anzustreben. Naturgemäß bildeten sich dennoch bald Schwerpunkte heraus. Sie lagen auf dem Gebiet der Skulptur, gefolgt von Reliefs und Sarkophagen; Terrakotten und Vasen spielten keine geringere Rolle. Durch Ankäufe und Nachlässe wurden die Sektionen bereichert. Der Zuwachs an Fotos in jener Zeit war enorm. 1932 belief sich der Gesamtbestand auf 16.000 Negative und 77.000 Fotos. 1936 waren es bereits 23.200 Negative und 102.600 Fotos und im Berichtsjahr 1940/41 wurden schließlich 30.370 Negative sowie 127.040 Fotos dokumentiert. Man arbeitete nunmehr seit über 50 Jahren mit Cesare Faraglia als auswärtigem Fotografen zusammen.

Im Jahre 1936 wurde eine Referentenstelle am DAI Rom eingerichtet, die mit Siegfried Fuchs besetzt wurde. Ab 1936 legte dieser – ebenfalls Ortsgruppenleiter der NSDAP – die Abteilung „Vorgeschichte“ neu an und für eine weitere Abteilung „Germanische Frühgeschichte in Italien“ wurden systematisch Fotografien angefertigt und gesammelt. In den 1940er Jahren wurden im Zuge der politisch motivierten wissenschaftlichen Projekte am DAI Rom auch die sogenannte Langobardenforschung von Fuchs initiiert.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde nach der Rückführung des Instituts in deutsche Verwaltung die Tätigkeit in der Photothek 1953 wieder aufgenommen. Die Bedeutung der Photothek ist dadurch hervorgehoben, dass ihr beim Neubau des Hauses in der Via Sardegna ein eigenes Stockwerk zugewiesen wurde.

In der Leitung lösten sich H. Sichtermann (1955-1980), H.-U. Cain (1980-1985) und W. Geominy (1985-86) ab. Ab 1986-1998 leitete H. Jung die fotografische Abteilung des DAI Rom, die seit dem Jahre 2000 Silvia Diebner diese Abteilung. Die Sammlung wuchs in der Zeit nach der Wiedereröffnung bis 2010 auf ca. 200.000 Negative und ca. 280.000 Fotos an. Während ihres nunmehr 90 jährigen Bestehens wurde die Fotothek zu einer der größten spezialisierten Fotosammlungen in Italien ausgebaut.

Als Sammelgebiet gilt das gesamte Gebiet der Klassischen Archäologie mit dem geografischen Schwerpunkt auf Italien und Nordafrika.

Chimtou

Rom, Ponte Elio, linke Tiberseite

Durch Fotokampagnen (seit etwa dem Jahre 2000 wird neben der analogen Fotografie auch digital dokumentiert), die den Interessen bzw. Forschungsunternehmen der Mitarbeiter des Instituts folgen, erhöht sich der Negativbestand jährlich durchschnittlich um 4.000 Aufnahmen, die in die seit 2001 bestehende Arachne Datenbank einfliessen. In zahlreichen Projekten kooperiert die Fotothek des DAI Rom mit internationalen Forschungseinrichtungen. So ist sie seit 2009 Teil des internationalen Digitalisierungsprojekts EMAGINES, für das mehr als 10.000 historische Glasnegative aufbereitet und online zugänglich gemacht werden.

Die Fotothek des DAI ist im Gegensatz zu anderen Fotosammlungen, deren Hauptinteresse auf historischen Photographien liegt oder die spezielle Nachlässe verwalten, ein in ständigem Ausbau begriffenes Arbeitsinstrument. Die mit Hilfe einer institutseigenen Fotografin durchgeführten Kampagnen, sind vor allem durch das liberale Entgegenkommen der Altertümerverwaltungen des Gastlandes möglich. Die Tradition, die das Institut auf diesem Gebiet der Dokumentation besitzt, ist glücklicherweise nie abgebrochen. Immer wieder gilt es, durch Neuaufnahmen größere Lücken zu schließen, Neufunde zu dokumentieren, veränderte museale Aufstellungen von längst bekannten Stücken oder durchgeführte Restaurierungen fotografisch für die wissenschaftliche Forschung festzuhalten. Das systematische Erweitern der Bestände, die Qualität der Aufnahmen sowie die Pflege des Archivs gehört zu den vorrangigen Aufgaben der Fotothek. Von größter Wichtigkeit ist es, den Besitz zu wahren, da Fotographien in der Archäologie die Funktion von Dokumenten annehmen. Nicht selten sind vor allem die Altbestände die einzige Quelle, die uns von Denkmälern der Vergangenheit geblieben ist. Fotographien stellen ein unersetzbares Mittel jeglicher wissenschaftlicher Beschäftigung mit archäologischen Denkmälern dar: geben sie doch die Möglichkeit, die aus den Bildwerken gewonnenen Erkenntnisse nachvollziehbar und kontrollierbar zu machen. Der Versand und Verkauf von Fotografien erfolgt inzwischen allein in digitaler Form.

Seit 2006 werden zur Katalogisierung der digitalen Bildbestände des DAI in Zusammenarbeit mit der Universität zu Köln (CoDArchLab) alle Fotografien objektbezogen verwaltet, d.h. die Fotografien werden ihren abgebildeten Objekten zugeordnet, die über sog. Datensätze in der Objektdatenbank Arachne systematisiert und kontextualisiert sind. Die Strukturierung der Bilder über Arachne gilt auch für die fortlaufende Retro-Digitalisierung der analogen Fotobestände.

Zur Zeit widmen sich neben der Leiterin Silvia Diebner, eine wissenschaftliche Hilfskraft, eine Mitarbeiterin, eine Fotografin, eine Laborantin und zwei Scankräfte zur retrospektiven Digitalisierung der Bestände den umfangreichen Aufgaben der Fotothek. Die verschiedenen Digitalisierungsprojekte und die Retrodigitalisierung des Negativarchivs werden von Alexandra Busch in Zusammenarbeit mit dem CodArchLab koordiniert.

Siehe dazu auch: „Das Deutsche Archäologische Institut“ im Zenon OPAC