H. Rose, Die römischen Terrakottamasken in den Nordwestprovinzen. MAR XXXVII

zu den Objekten

Das Projekt „Terrakottamasken“ basiert auf einer an der Universität zu Köln durchgeführten Dissertation zu den römischen Terrakottamasken der Nordwestprovinzen.

Das Sammlungsgebiet umfaßt die Provinzen Britannia, Germania inferior und Germania superior sowie Gallia Belgica, erweitert um Fundorte in Raetien, die im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland liegen. Bisher können sieben Produktionsorte für Masken nachgewiesen werden: Nimwegen, Köln, Frankfurt-Heddernheim, Trier und Rheinzabern, Neusäß-Westheim bei Augsburg und Straubing.
Unter ihnen stellen Köln und Trier zwei überregional bedeutsame Herstellungszentren dar, die anderen Töpfereien scheinen nur den lokalen, allenfalls einen regionalen Markt bedient zu haben.
Die lebensgroßen Masken kommen in der betrachteten Region im ausgehenden 1. Jh. n. Chr. auf, ihre Blütezeit erleben sie im 2. Jh. n. Chr. Im 3. Jh. n. Chr. ist ihre Produktion nur noch in Trier nachweisbar.
Der größte Teil stellt kahlköpfige, bartlose männliche Gesichter mit karikierten Gesichtszügen da, die Charakteristika von Possenmasken aufweisen. Wenige Fragmente nehmen auf Charaktere der Neuen Komödie oder der Tragödie Bezug, dionysische Masken sind nur ganz vereinzelt nachweisbar. Die Umformung der etablierten römischen Masken in eigene Typen zeigt sich sowohl in ihrer speziellen Ausprägung – eine besonders auffällige Eigenart sind die großen gebleckten Zähne – wie im Verhältnis der Maskengenre zueinander.
Die lebensgroßen Terrakottamasken waren ein Bestandteil der Hausausstattung. Sie wurden ähnlich den oscilla in Stützenstellungen von Gebäuden aufgehängt. Ihre Funktion als Dekorelement ergibt sich in erster Linie aus den Fundkontexten, wird aber auch durch technische Details und ihre Proportionen unterstützt.
Ihre Fundorte in aufwendigen, in der Bauweise wie in der Ausstattung stark römisch geprägten Häusern legen den Schluß nahe, in ihnen ein geeignetes Ausdrucksmittel zu sehen, das einen spezifisch römischen Habitus anzeigte. Die Demonstration der kulturellen Sphäre war gerade in den Provinzen ein wesentlicher Aspekt der Selbstdarstellung im Spannungsfeld zwischen einheimischen und römischen Bevölkerungselementen. Zahlreiche Maskenfunde in Limeskastellen betonen die Bedeutung des Militärs als einem wichtigen Träger der römischen Kultur in den Nordwestprovinzen.
Die mit den Masken verknüpften Aussagen muten zwiespältig an, da über die Verwendung dieser Chiffre einerseits die Zugehörigkeit zum römischen Kulturkreis zum Ausdruck gebracht werden sollte, die Masken andererseits aber eine starke lokale Ausprägung aufweisen – vermutlich spiegelt sich jedoch gerade in dieser Widersprüchlichkeit der Romanisierungsprozeß der Region wider.

Mit dem Projekt „Terrakottamasken“ wird das zukunftsweisende Vorgehen realisiert, die Vorteile traditioneller und innovativer Publikationsmedien zu kombinieren.
Die Basis der Untersuchung, der rund 500 Objekte umfassende Katalog, ist als Online-Edition über die Arachne-Datenbank kostenlos zu konsultieren. Die darauf basierende Auswertung des Materials mit ihren Schlußfolgerungen und Interpretationen erschien 2006 als Buchpublikation unter dem Titel „Die römischen Terrakottamasken in den Nordwestprovinzen“ als XXXVII. Band der Reihe Monumenta Artis Romanae im Reichert-Verlag.
In der Internet-Präsentation läßt sich der umfangreiche Katalog mit seinen vielen Detailfotos und Abbildungen kohärent darstellen und leicht überblicken. Zudem bietet dieses Medium neue Möglichkeiten der Erfassung, der Kategorisierung und des Vergleichs. Relevante Recherchekriterien sind z. B. Fundort, Produktionsort oder Serienzugehörigkeit.
Da es sich bei den Terrakottamasken um Modelware handelt, erfolgt die Systematisierung der Objekte – soweit möglich – nach Serien. Das Aussehen der Serien wurde dort, wo vollständig erhaltene Exemplare fehlen, aus der Kombination verschiedener Fragmente zeichnerisch rekonstruiert. Die Serienzeichnungen sind ebenfalls in Arachne abrufbar.
Durch die Verankerung des Online-Kataloges in Arachne ist die dauerhafte Pflege und Aktualisierung der Daten gewährleistet. Aktualisierungen werden visuell kenntlich gemacht und können sowohl Einzelinformationen zu einem Objekt als auch die Hinzufügung weiterer Objekte umfassen.

Ziel der Kombination von Buch- und Online-Publikation ist es, die Vorteile beider Medien optimal zu verbinden: Zum einen eine wissenschaftlich fundierte, den Forschungsstand widerspiegelnde Analyse des Materials als eigenständige Auswertung in der für diese Art der Informationen geeigneten Form eines gedruckten Buches. Und andererseits einen umfangreichen, reich bebilderten und aktualisierbaren Online-Katalog, der die oben aufgezeigten Vorzüge der Recherchierbarkeit bietet und überdies in dieser Ausführlichkeit aus Kosten- und Platzgründen in gedruckter Form nicht realisierbar gewesen wäre.

Auf die vielfältige Förderung, die das Projekt durch das Forschungsarchiv für Antike Plastik erhielt, sei hier dankbar verwiesen. Mein besonderer Dank gilt Herrn Professor Reinhard Förtsch, dem Leiter des Forschungsarchivs. Er unterstützte das Vorhaben einer Kombination aus Buch- und Online-Edition und ermöglichte die Integration der Terrakottamasken in die Arachne-Datenbank und die dadurch gewährleistete dauerhafte Pflege und Aktualisierung der Daten.
Fotographische Beratung und technische Unterstützung bei den Aufnahmen leistete Philipp Groß. Die Serienzeichnungen fertigte Amira Smadi, die Zeichnerin des Archäologischen Instituts an der Universität zu Köln, an.

Hannelore Rose

NOCH ZU ERGAENZEN:

  • Verbreitungskarte
  • Serienzeichnungen