Digitaler Katalog illuminierter spanischer Codices des 10.-12. Jahrhunderts

Dr. Kristin Böse, Jitka Ehlers M.A.

Der digitale Katalog illuminierter Handschriften des mittelalterlichen Spaniens basiert auf einem Bestand von ca. 4500 farbigen Kleinbilddiapositiven, die sich im Deutschen Archäologischen Institut in Madrid (DAI) befinden. Die Sammlung wurde zwischen 1962 bis 1965 auf Initiative des damaligen Direktors und Kunsthistorikers Helmut Schlunk zusammengetragen, der ein großes Interesse an der frühmittelalterlichen spanischen Kunst hatte. Mit dem Aufbau wurde Otto Karl Werckmeister betraut, der zu dieser Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am DAI tätig war. Gemeinsam mit dem Institutsfotografen Detlef Noack bereiste Werkmeister Bibliotheken und Archive in Spanien, England, Frankreich und in den USA. Aus dieser Arbeit gingen zahlreiche Publikationen Werckmeisters hervor, und bis heute bildet die spanische Buchmalerei eines seiner Forschungsfelder (Die Bilder der drei Propheten in der Biblia Hispalense, in: Madrider Mitteilungen 4 [1963], 141-188; The image of the „jugglers“ in the Beatus of Silos, in: Reading medieval images, 2002, 128-139).

Vor Ort lag das Hauptaugenmerk auf der visuellen Ausstattung der Manuskripte (Miniaturen, Initialen), weshalb die Sammlung eine Vielzahl an Detailaufnahmen bietet. Das Projekt zielte demnach nicht darauf, den mittelalterlichen Codex in seiner multimedialen Vielfalt zu reproduzieren. Dennoch ist das Interesse erkennbar, ganze Seiten fotografisch festzuhalten. Ferner wurden schriftbildliche Mischformen wie Buchstabenlabyrinthe oder Diagramme berücksichtigt, die erst in den letzten Jahren in den Fokus kunsthistorischen Interesses gerückt sind.

Insgesamt sind Reproduktionen von 36 illuminierten Handschriften unterschiedlicher Textgattungen zusammengetragen worden. Einen Schwerpunkt bildet der Apokalypsekommentar des Beatus von Liébana, der mit 11 Codices vertreten ist. Die Sammlung kann bis heute als einzigartig gelten. Zum einen, weil einige der berücksichtigten Manuskripte bis heute ausschließlich über das Original oder nur teilweise über Faksimiles zugänglich sind. Zum anderen ermöglicht sie, sich die spanische Buchkunst des frühen und hohen Mittelalters in ihrer gestalterischen Vielfalt und ihren unterschiedlichen Text- und Buchtypen zusammenhängend zu erschließen. Sie ist ferner aus disziplingeschichtlichem Blickwinkel von Interesse, da sich an ihr damalige Zugriffsweisen auf die mittelalterliche Buchmalerei im Allgemeinen und die spanische im Besonderen diskutieren lassen.

Der im Arachne-Bookbrowser enthaltene Bildbestand ist mittels eines TEI-Viewers abrufbar. Dieser zielt darauf, die Anordnung der Miniaturen und Initialen innerhalb des Buchkörpers und im Verhältnis zu den darin enthaltenen Texten abzubilden. Das Bildmaterial wurde um eine Reihe allgemeiner Informationen zum Manuskript ergänzt. Der Viewer ermöglicht auf diese Weise, sich einen Überblick über das materielle Erscheinungsbild und die visuelle Ausstattung des jeweiligen Codex zu verschaffen. Er stellt ein Instrument dar, Bezüge zwischen den Handschriften herzustellen und will damit zu übergreifenden Fragestellungen anregen.

Folgende Codices werden schrittweise im ARACHNE-VIEWER und im TEI-VIEWER, der eine ausführliche Objektbeschreibung bietet, zugänglich gemacht:

Antiphonare

León, Archivo Catedralicio, Cod. 8
London, British Library, Ms. Add. 30850

Apokalypsekommentare (Beatus von Liebana, In apocalypsin libri duodecim)

Burgo de Osma, Archivo de la Catedral, Cod. 1
El Escorial, Real Biblioteca del Monasterio de San Lorenzo, Cod. &. II.5
Girona, Archivo Capitular, Ms. 7, olim 41
London, British Library, Ms. Add. 11695
Madrid, Archivo Histórico Nacional, Cod. 1097B
Madrid, Biblioteca Nacional, Vitr. 14-1
Madrid, Real Academia de la Historia, Cod. 33
New York, Pierpont Morgan Library, Ms. M. 644
Paris, Bibliotèque nationale de France, Ms. lat. 8878
Urgell, Museu diocesà, Cod. 501
Valladolid, Biblioteca Universitaria, Ms. 433

Apologetische Schriften

Florenz, Biblioteca Medicea Laurenziana, Ms. Ashburnham 17 (Ildefonsus von Toledo, De virginitate perpetua beatae Mariae)

Bibeln

León, Archivo Catedralicio, Cod. 6
León, San Isidoro, Ms. 2
Madrid, Biblioteca Nacional, Ms. Vitr. 13-1 (Biblia Hispalense)
Madrid, Real Academia de la Historia, Ms. 20
Rom, Hermanedad de Sacerdotes/Silos, Biblioteca de la Abadia (Fragment der Oña-Bibel)

Bibelkommentare

León, San Isidor, Ms. 1 (Gregor der Große, Moralia in Hiob)
Madrid, Biblioteca Nacional, Ms. 80 (Gregor der Große, Moralia in Hiob)
Madrid, Real Academia de la Historia, Cod. 8 (Cassiodor, Expositio Psalmorum)

Heiligenleben

London, British Library, Ms. Add. 30855 (Liber Gerontikon)
Madrid, Real Academia de la Historia, Cod. 13 (Vitae Sanctorum)

Liber Ordinum

Madrid, Real Academia de la Historia, Cod. 56

Miscellanea

Córdoba, Biblioteca Capitular, Cod. 1 (Codex Smaragdus)
Córdoba, Biblioteca Capitular, Cod. 123
Madrid, Real Academia de la Historia, Cod. 39
Madrid, Real Academia de la Historia, Cod. 78 (Roda Codex)

Missale

London, British Library, Ms. Add. 30844

Predigtsammlungen

London, British Library, Ms. Add. 30853
Madrid, Real Academia de la Historia, Cod. 38

Gebetbücher

London, British Library, Ms. Add. 30851 (Psalter)
Santiago de Compostela, Biblioteca Universitaria, Ms. 609 (Stundenbuch Ferdinand I. von León)

Rechtshandschriften (Collectio Hispana, Liber Iudicium)

El Escorial, Real Biblioteca del Monasterio de San Lorenzo, Cod. D.I.1 (Codex Aemilianense)
El Escorial, Real Biblioteca del Monasterio de San Lorenzo, Cod. D.I.2 (Codex Albeldense)