RM121: Evelyne Bukowiecki – Ulrike Wulf-Rheidt, I bolli laterizi delle residenze imperiali sul Palatino a Roma, RM 121, 2015, 311–482.

Die Ziegelstempel der kaiserlichen Palastanlagen nach Gruppen

Die Ziegelstempel der kaiserlichen Palastanlagen nach ihrer topografischen Verteilung

Lokalisierung aller Ziegelstempel

Die Ziegelstempel der kaiserlichen Palastanlagen auf dem Palatin in Rom

Im Rahmen des „Palatin-Projekts“ führt das Deutsche Archäologische Institut in Zusammenarbeit mit deutschen und internationalen Universitäten seit 1998 eine Reihe groß angelegter systematischer und architektonischer Untersuchungen im südöstlichen Bereich des Palatins durch. Eine Neuvermessung und eine eingehende bauforscherische Neuuntersuchung der vier Teilbereiche, der sog. Domus Severiana, des Stadions, der Domus Augustana und der Domus Flavia, haben zu einem besseren Verständnis der Bauentwicklung der kaiserlichen Palastanlagen geführt. Diese Studien schlossen auch eine archäologische Analyse der in Opus-testaceum-Technik errichteten Wände ein, die eine Identifizierung von mehr als 400 Ziegelstempeln in situ erlaubte.
In diesem Beitrag werden die Ziegelstempel erstmals in ihrem Kontext vorgelegt. Um eine möglichst große Vollständigkeit zu erreichen, wurden die in früheren Studien aufgedeckten und in der Literatur erwähnten Ziegelstempel, die sich heute meist nicht mehr in situ befinden, ebenfalls mit einbezogen. Der Katalog umfasst derzeit 940 Ziegelstempel, von denen 599 in situ und 341 nicht in situ gefunden wurden. Sie verteilen sich wie folgt auf die vier Teilbereiche: 160 wurden in der Domus Severiana, 305 im Stadion, 207 in der Domus Augustana und 268 in der Domus Flavia gefunden. Auf dieser breiten Materialbasis können neue Erkenntnisse über die topografische Verteilung der Ziegelstempel auf dem Palatin gewonnen, die bisher akzeptierte Chronologie der Bauphasen detaillierter beschrieben und modifiziert sowie die Versorgung der kaiserlichen Baustelle mit Ziegelmaterial analysiert werden. Damit stellt der Beitrag ein wichtiges Forschungsinstrument dar – nicht nur für den Palatin, sondern auch für das gesamte kaiserzeitliche Rom.
Für jede der vier Anlagen werden zunächst die in der Bibliografie erwähnten Ziegelstempel kurz zusammengestellt. Sodann werden die während des Forschungsprojektes in situ gefundenen Ziegelstempel für jede der vier Anlagen hinsichtlich ihrer topografischen Verteilung innerhalb der fünf Hauptnutzungsebenen der Palastanlage beschrieben. Anschließend wird auf Basis der Ziegelstempel für jede Anlage separat die Datierung der Bau- und Umbauphasen diskutiert (vorflavisch, flavisch, trajanisch, hadrianisch, antoninisch, diokletianisch, maxentianisch und aus der Zeit Theoderichs).
Die Einteilung in „chronologische Gruppen“ reflektiert dabei sowohl die bauforscherische Interpretation der Bauphasen der Kaiserpaläste als auch der Geschichte der römischen Ziegelproduktion. Dabei ergeben sich die folgenden sieben „chronologischen Gruppen“:

  • Gruppe 1: 1. Jh. n. Chr. bis 93/94 n. Chr.
  • Gruppe 2: Ende der Regierungszeit Domitians bis zum Beginn der Regierungszeit Trajans (95–110 n. Chr.)
  • Gruppe 3: Ende der Regierungszeit Trajans bis zum Beginn der Regierungszeit Hadrians (111–122 n. Chr.)
  • Gruppe 4: Regierungszeit Hadrians nach 123 n. Chr. (123–138 n. Chr.)
  • Gruppe 5: antoninische Dynastie (138–192 n. Chr.)
  • Gruppe 6: severische Dynastie (193–235 n. Chr.)
  • Gruppe 7: von Diokletian bis Theoderich

Basierend auf einer Gesamtbetrachtung aller Ziegelstempel fokussiert das letzte Kapitel des Aufsatzes auf die Versorgung der Baustellen der vier untersuchten Anlagen. Dank neuerer Forschungsarbeiten kann eine Konzentration der römischen figlinae im mittleren Tibertal um die Orte Statonia, Horta, Ameria und Narnia nachgewiesen werden. Darauf aufbauend wird die mögliche geografische Herkunft der Ziegelproduktion für den Palatin in den ersten fünf Jahrhunderten n. Chr. analysiert.
Zusammenfassend wird aufgezeigt, wie ein detailliertes Studium der Ziegelstempel in einem so großen Bereich der Kaiserpaläste auf dem Palatin ermöglicht, Planung, Bauablauf und Konstruktion der kaiserlichen Palastanlagen besser zu verstehen. Dabei wird besonders die Bedeutung der Datierung der in situ gefundenen Ziegelstempel für das Nachvollziehen der einzelnen Bauphasen der Paläste diskutiert. Dies erlaubt einen vollkommen neuen Einblick in die Entwicklung der Palastanlagen. Der Palast, der in der Forschung bislang als einheitliches Neubauprojekt Domitians angesprochen wird, stellt sich dabei als das Ergebnis eines langen Entwicklungsprozesses dar. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Domitian einen bereits frühflavischen Palastneubau fortgeführt bzw. in sein neues Konzept integriert hat. Weiter lässt sich nachweisen, dass das flavische Palastprojekt beim Tod Domitians nicht in allen Teilen fertig gestellt war, sondern als Baustelle von Trajan übernommen und erst in dessen Regierungszeit vollendet wurde. Die Bauarbeiten des 2. Jhs. n. Chr. lassen sich in zwei größere Phasen, eine hadrianische und eine antoninische, unterteilen. Große Reparaturarbeiten und eine Erweiterung des Palastes können für die severischen Kaiser nachgewiesen werden. Nach Ausweis der Ziegelstempel und der historischen Daten fand ein weiterer großflächiger Ausbau unter Maxentius statt, und nach den Ziegelstempeln ist von

einer späten Umgestaltung einiger Palastteile unter Theoderich auszugehen.
Schließlich erlaubt die Untersuchung der fast 1.000 Ziegelstempel dieser vier wichtigen Bereiche des Kaiserpalastes auch einen neuen Einblick in die Produktion und Distribution sowie wahrscheinlich die Zwischenlagerung dieses wichtigen Baumaterials.

Um die Benutzbarkeit des digitalen Ziegelstempelkatalogs in Arachne zu erleichtern, werden zwei Zugangswege angeboten: entweder nach chronologischer oder nach topografischer Verteilung. Bei der chronologischen Verteilung können die Ziegelstempel entsprechend der sieben „chronologischen Gruppen“ gesondert für jeden der vier Teilbereiche der Kaiserpaläste aufgerufen werden. Die topografische Gliederung erlaubt dagegen einen Zugang zu den vier Komplexen, der nach den folgenden Kriterien gegliedert und jeweils für die fünf Hauptnutzungsebenen aufgeschlüsselt wird: Ziegelstempel in situ – in der Literatur erwähnte Ziegelstempel – alle lokalisierbaren Ziegelstempel insgesamt – nicht in situ gefundene Ziegelstempel. Auf den farbigen Grundrissplänen der einzelnen Ebenen der Komplexe ist die Lage der in situ gefundenen und der nach der Literatur einem Raum eindeutig zuweisbaren Ziegelstempel vermerkt. Durch Farben ist die jeweilige Zugehörigkeit zu einer „chronologischen Gruppe“ angegeben.