Antike Plastik 5.0:// - Dokumentationsmedien in der Archäologie von der Skizze zum 3D-Modell

Antike Plastik 5.0

Am 9. Juli 1964 bewilligte der Kultusminister des Landes NRW ein neuartiges Archiv zur Erforschung antiker Skulptur an der Universität zu Köln. Ziel dieser Forschungsstelle war es, mit modernen technischen Methoden ein dynamisches Archiv für die Altertumswissenschaften zu schaffen. Heinz Kähler war 1960 zum Ordinarius für Klassische Archäologie ernannt worden und hatte die Kunst der römischen Kaiserzeit zum Schwerpunkt seines wissenschaftlichen Wirkens gemacht. Seine Assistenten in Köln waren Hans Georg Niemeyer und Hansgeorg Oehler, die sich durch ihre bisherigen Arbeiten als Spezialisten für antike Skulptur ausgezeichnet hatten. In diesem Spannungsfeld entstand die Idee mit einer eigenen Forschungsstelle, »römische Archäologie in einer römischen Stadt« betreiben zu wollen. 50 Jahre internationale Fotokampagnen schufen eines der größten Bildarchive für antike Plastik, das den Ausgangspunkt zahlreicher Forschungen, Ausstellungen und Kolloquien bildete. Im Jahr 2014 stellt das Forschungsarchiv – heute CoDArchLab – mehr als 2 Millionen Bilddaten über die ARACHNE weltweit zur Verfügung. Aus einer Bilddatenbank in den Räumen der Forschungsarchiv in Köln wurde unter der Leitung von Reinhard Förtsch eine digitale Objektdatenbank, die bis heute den grundlegenden Kern von ARACHNE bildet und die Daten des Archivs seit 2001 im Internet zur Verfügung stellt. Für die innovativen Ansätze und die konsequente Vernetzung der Daten im Semantic-Web wurde ARACHNE 2010 mit dem ›Google Award‹ ausgezeichnet.

Die Ausstellung „Antike Plastik 5.0:// – Dokumentationsmedien in der Archäologie von der Skizze zum 3D-Modell“ im Akademischen Kunstmuseum der Universität Bonn thematisiert vom 26.10. bis 21.12.2014 den Einfluss verschiedener Bild- und Dokumentationsmedien auf die Erforschung von antiker Skulptur vom 17. Jahrhundert bis Heute. Anhand der vier Medien Stichwerke, Abgüsse, Fotos und 3D-Modelle werden die Entwicklungsmöglichkeiten dieser Forschungen veranschaulicht. Was ermöglichen die jeweiligen Medien und was bieten Sie uns noch heute? Die Entwicklung der Dokumentation in den Altertumswissenschaften seit Clarac und Montfaucon bis hin zu den dreidimensionalen Projektionsräumen der NexCave-Technologie im 21. Jahrhundert stehen hier im Mittelpunkt. Neben originalen Kupferstichen werden im Akademischen Kunstmuseum der Universität Bonn zahlreiche Fotos und historische Gipsabgüsse gezeigt, die der neuen Technologie der 3D-Modelle entgegengestellt sind.

Der digitale Katalog [Link] zeigt die Objekte der Ausstellung und erläutert deren inhaltliche und historischen Hintergründe. Durch die QR-Codes in der Ausstellung kann auch der Besucher vor Ort auf die Hintergrundinformationen zurückgreifen.

Literatur:
P. Scheding – M. Remmy (Hrsg.), Antike Plastik 5.0:// – 50 Jahre Forschungsarchiv für Antike Plastik in Köln (Münster 2014).
P. Scheding, Antike Plastik 5.0:// – Das Forschungsarchiv für antike Plastik in Köln wird 50 Jahre alt, Antike Welt 5, 2014, 59–67.