Clarac, Musée de sculpture

Archäologie vor der Entwicklung der Photographie. Die Erforschung antiker Skulpturen vor der Mitte des 19. Jhs. im Spiegel von Claracs ‘Musée de sculpture antique et moderne’

zu den Stichwerkseiten aus Clarac, Musée de sculpture

Einleitung zur Online-Edition von Clarac, Musée du Sculpture

Prof. Dr. Dietrich Boschung

Das gesamte Projekt wie auch seine kostenlos zu konsultierende Publikation wären ohne die großzügige Förderung durch die Fritz Thyssen Stiftung nicht möglich gewesen. Ziel war es, den archäologischen Kenntnisstand der Zeit um 1850 über antike Statuen kohärent darzustellen, wie er sich aufgrund des sechsbändigen "Musée de sculpture antique et moderne" des Comte de Clarac fassen lässt, und dies mit den seither erzielten Ergebnissen der Forschung und der Dokumentation zu verbinden. Auf diese Weise sollte der Zusammenhang zwischen Dokumentationsmedien und wissenschaftlichen Fragestellungen offengelegt werden. Dieser Zielsetzung entsprechend konzentrierten sich die Arbeiten auf die Bände III - V der Werkes. Dies erlaubte es, mit den durch die Fritz-Thyssen-Stiftung bewilligten Mitteln den von Clarac erfassten Bestand von ca 3.000 griechischen und römischen Statuen vollständig zu erfassen. Für die meisten Skulpturen konnte der heutige Standort ermittelt werden, wodurch eine Verknüpfung mit aktuellen Katalogen und Datenbanken ermöglicht wurde.
Der aufgearbeitete Teil entspricht weitgehend dem bis 1850 bekannt gewordenen Gesamtbestand griechischer und römischer Statuen, der sich nun in der Internet-Präsentation leicht überblicken lässt. Da Clarac sowohl für seine Illustrationen wie für die Erklärung der Skulpturen auf ältere Publikationen seit dem 16. Jh. zurückgreift, ist damit auch der archäologischen Wissensstand vor der Entwicklung der Photographie beschrieben, durch die dann neue Formen der Erfassung, des Vergleichs und der Kategorisierung möglich wurden. In einem knappen Text, der die Datenbank ergänzt, werden Entstehungsgeschichte, Intention, wissenschaftsgeschichtliche Position und Wirkung von Claracs Werk dargestellt. Er ermöglicht auch eine Verbindung mit den Informationen zu Sammlungen und älteren Publikationen, die von Clarac ausgewertet worden sind.

Die informationstechnologische Umsetzung des Projektes besteht aus verschiedenen, ineinandergreifenden Vorgängen:

  1. einer seitenweisen Digitalisierung der Bände des »Musée de sculpture antique et moderne«
  2. einer wissenschaftlichen Erschließung der von Clarac abgebildeten Skulpturen
  3. einer forschungs- und mediengeschichtlichen Synthese des Werkes
  4. einer programmiertechnischen Erweiterung von Arachne um ein Rezeptionsmodul

Die Bände 3-6 stehen nun im Web unter Arachne blätterbar zur Verfügung.

Die wissenschaftliche Erschließung war konzentriert auf die zentralen Bereiche im Werk Claracs, d. h. auf die Skulpturen des Louvre und der von ihm erfaßten europäischen Sammlungen. Dazu wurden durchgeführt:

  • Eingabe der Rezeptions –, Reproduktions– und Bezugsdatensätze Bd. III/ 1: Louvre
  • Eingabe der Rezeptions –, Reproduktions– und Bezugsdatensätze Bd. III/ 2: Europäische Slg. I
  • Eingabe der Rezeptions –, Reproduktions – und Bezugsdatensätze Bd. IV: Europäische Slg. II: hier ein Fehlbestand von ca. 100 Reproduktionsdatensätzen

dabei angelegt:

  • ca. 2300 Rezeptionsdatensätze
  • ca. ca. 2200 Reproduktionsdatensätze
  • ca. 300 Bezugsdatensätze in der Kategorie „Einzelobjekt“

Zur Anlage der Datensätze gehörte bei jedem Stück die Verknüpfung mit evtl. mehrteiligen Denkmälern, den historischen Sammlungen sowie zwischen Einzelobjekt–, Reproduktions– und Rezeptionsdatensatz.
Zu jeder Tafel sind die Informationen der wissenschaftlichen Erschließung abrufbar. Zudem sind im Stichwerkbrowser (zum iDAI.bookbrowser) die von Clarac verwendeten älteren Stichwerke digitalisiert vorgelegt worden. Zu jeder der dort abgebildeten und von Clarac verwendeten Skulpturen sind im Stichwerkbrowser die Arachne-Seriennummern angegeben, was eine spätere Verlinkung auch dieser Informationen mit dem Arachne-Informationsnetz ermöglicht.

Die programmiertechnische Erweiterung Arachne um ein Rezeptionsmodul erlaubt es, die Abgrenzung der spezifischen Eigenheiten zeitgebundener Aussagen über ein Objekt zu trennen von einem Kernbereich von Sachinformationen über dasselbe Objekt. Diese Struktur wurde auf das Konzept eines Online-Buches mit blätterbaren Seiten projiziert.

Reinhard Förtsch