Die Basilica Aemilia

zur Publikation

zu den verknüpften Objekten

Johannes Lipps, Die Basilica Aemilia am Forum Romanum. Der kaiserzeitliche Bau und seine Ornamentik (Diss. Köln 2008)

Manuskript Heinrich Bauer

Christine Ertel - Klaus Stefan Freyberger - Kathrin Tacke – T. Bitterer, Die Basilica Aemilia auf dem Forum Romanum in Rom: Brennpunkt des öffentlichen Lebens

Zusammenfassung

Das originale Gebäude wurde nach der Überlieferung von Livius (40, 51, 4-5) von den Censoren M. Aemilius Lepidus und M. Fulvius Nobilior im Jahr 179 v. Chr. eingeweiht. Die Basilika war eine dreischiffige eingeschossige Halle, vor deren Südseite Läden und eine Säulenhalle verliefen und zum Forumsplatz ausgerichtet lagen. Als Baumaterial wurden Tuff, ein lokales Vulkangestein, und Travertin, ein bei Tivoli gewonnener Kalkstein verwendet. Beschädigungen durch Brandkatastrophen erforderten mehrfach Restaurierungen und Erneuerungen des Gebäudes. Im frühen 1. Jh. v. Chr. wurde die Basilika zu einer zweigeschossigen Halle ausgebaut. Nach einem Brand im Jahr 14 v. Chr. wurde sie während der Herrschaft des Kaisers Augustus grundlegend erneuert. Der Luxusbau behielt zwar weitgehend die Form der Vorgängerbauten bei, aber er wurde nun mit einem gänzlich neuen Material, dem Marmor aus Luni, errichtet. Von dem Glanz und Reichtum des Bauwerks zeugt auch die Ausstattung: Der Fußboden des Mittelschiffes war mit kostbarem polychromem Marmor verziert, während die Böden der Seitenschiffe mit weißem Marmor bedeckt waren.
An den mit Marmor verkleideten Innenwänden befanden sich Schmuckreliefs aus pentelischem Marmor, die signifikante Szenen aus der Gründungsgeschichte Roms thematisierten. Die zum Forumsplatz orientierte Säulenhalle hatte eine aufwendig gestaltete Fassade mit einer dorisierenden Säulenordnung, die von einer hohen Attika bekrönt wurde. Die Außenseite der Attika war Träger kostbarer Bildwerke, die von den Besuchern des Forums gesehen werden konnten. Im Zentrum der Brüstungsplatten befanden sich Rundbildnisse, die imagines clipeatae, die vermutlich parthische Würdenträger wiedergaben. Diese wurden von monumentalen Barbarenstatuen aus buntem Marmor flankiert. Wenn auch das statuarische Schema der „Barbaren“ nicht eindeutig zu rekonstruieren ist, so liegt doch die Vermutung nahe, daß sie parthische Würdenträger wiedergeben, die als monumentale Bildzeichen für ein den Römern unterworfenes Volk stehen. Sie verweisen auf den militärischen und diplomatischen Erfolg des Kaisers Augustus, dem 20 v. Chr. ein Friedensabkommen mit den Parthern gelang.
Über der Säulenhalle und den Läden verlief eine monumentale Terrasse, auf der im rückwärtigen Teil eine Loggia stand, die mit den bekannten Rankenpfeilern geschmückt war. Aller Wahrscheinlichkeit ist diese Terrasse mit den von antiken Autoren überlieferten maeniana zu identifizieren, von der aus man das tägliche Geschehen auf dem Forum verfolgen konnte. Sie diente zugleich als Zuschauertribüne bei Festen und Umzügen auf dem Forum Romanum.
Aus dem Baubefund und der Ausstattung mit ihren Bildwerken lassen sich Aussagen über die verschiedenen Funktionsbereiche der Basílika ableiten. Im Inneren präsentiert sich die Basilika als ein luxuriöser Nutzbau, dessen Einrichtung vor allem merkantilen und monetären Zwecken diente. Sie fungierte zugleich als Bank und Verkaufsstätte von Luxusgütern aus Edelmetallen. Nicht weniger kostbar ausgestattet präsentierten sich die Läden, bei denen es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Verkaufsstätten handelt. Zugleich eigneten sie sich als Kontore der Bankiers, in denen die für den Bankverkehr unerläßlichen Dienstleistungen vollzogen wurden.
Wie in so vielen römischen Basiliken so wurden wohl auch in der Basilica Aemilia Zivilprozesse abgehalten. Vorstellbar wären Finanztribunale, die sich gut mit der monetären Funktion des Bauwerks vereinbaren ließen. Falls solche in dem Gebäude stattgefunden haben sollten, wurde der für sie bestimmte Platz als gesonderte Geschäftsräume durch hölzerne Schranken oder andere ephemere Einrichtungen von dem übrigen Raum getrennt.
Da die Basilica Aemilia ein viel besuchtes Gebäude war, eignete sie sich als Schauplatz für politische Repräsentation. Während in der republikanischen Zeit sich die Familienoberhäupter der Aemilier mit eigenen Bildwerken zur Schau stellten, nahmen in der Kaiserzeit zunehmend die Kaiser das Bauwerk für ihre politischen Zwecke in Anspruch. Die vielfältigen Funktionen der Basilica Aemilia hatte schon der originale Bau von 179 v. Chr. inne. Diesen Bestimmungen hatte auch der augusteische Neubau weitgehend Folge zu leisten, weshalb er in vielen Eigenheiten der Bauformen den Vorgängerbauten gleicht und damit verbunden ein traditionelles Erscheinungsbild bewahrt. Der größte formale Unterschied zu den älteren Gebäuden besteht aber in der marmornen Verkleidung des Neubaus, während das Bildprogramm inhaltlich neue Akzente setzte und zunehmend für das Kaiserhaus politisch instrumentalisiert wurde. Charakteristisch für die Staatspropaganda augusteischer Zeit sind die Themen der Bildwerke, insbesondere die mythologischen, welche die Geschichte Roms von den Gründungsheroen bis hin zur Gegenwart des Goldenen Zeitalters verklärten.
Die Basilica Aemilia definierte sich durch ihre Funktion und Ausstattung nicht nur als öffentlicher Bau, sondern wurde durch ihre funktionale Verknüpfung mit den am Forumsplatz anschließenden Gebäuden Teil eines politischen Interaktionsfelds im Zentrum der Stadt.
Bei unseren Untersuchungen vor Ort wurden zwischen der Via Sacra und den Portiken der Basilica Aemilia elf kleine Heiligtümer freigelegt, von denen nur das Heiligtum der Venus Cloacina bekannt ist. Die einfache Gestaltung mit einer Brüstung umfassten Bezirke und ihre bescheidenen Dimensionen von etwa 6 m bis 8 m Länge und 4 m Breite verleihen den Sakralbauten einen ländlichen Charakter. Die Kultstätten sind mit ihrer Langseite zum Forumsplatz ausgerichtet und hatten ihren Eingang auf einer der Schmalseiten, von dem Stufen in den tiefer gelegenen Bezirk hinabführten. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind diese Sacella mit den von Cassius Dio (1 Frg. 6 [2]) überlieferten Archeia zu identifizieren. An diesen übte der mythologischen Überlieferung zufolge Numa Pompilius Amtsgeschäfte von ritueller und juristischer Art aus. Da die Archeia eng mit der Gründungsgeschichte Rom verbunden sind, hatten sie einen hohen Stellenwert. Dieser zeigt sich vor allem in der Tatsache, dass die Kultstätten bis in die spätantike Zeit immer wieder erneuert wurden.