Digitalisierung der Glasnegative des Deutschen Archäologischen Instituts im Rahmen von Emagines.

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Prof. Dr. Ortwin Dally, Prof. Dr. Reinhard Förtsch

Das DAI verfügt aufgrund seiner Forschungstradition weltweit über die größten und ältesten Bildbestände im Bereich der Archäologie der Mittelmeerländer. Sie werden unter dem Projekttitel Emagines in einer strategischen Langzeitplanung digitalisiert und über die vom Deutschen Archäologischen Institut und dem CoDArchLab betriebene Webdatenbank Arachne weltweit zugänglich gemacht.

Gerade die ältesten und historisch wertvollsten Aufnahmen sind unmittelbar vom endgültigen Verlust bedroht: durch gravierende Umwelteinflüsse, Naturkatastrophen wie Erdbeben und nicht zuletzt durch die manuelle Nutzung. Die heutigen Benutzer müssen die Bestände in den jeweiligen Fotoarchiven der DAI-Abteilungen in Berlin, Madrid, Rom, Athen und Istanbul sowie Kairo persönlich recherchieren und belasten dabei, selbst im besten Fall, das Ausgangsmaterial. Neben diesen drängenden konservatorischen Problemen sind die Erschließungsdefizite der in den Negativbeständen enthaltenen Informationen offensichtlich. Die Gliederungsschemata der Fototheken können eine inhaltlich strukturierte Sacherschließung nicht ersetzen. Das in den Glasnegativen des DAI enthaltene Potential muß im gegenwärtigen Benutzungsmodus also nicht nur als gefährdet, sondern auch weitgehend brachliegend angesehen werden.

Während der ersten beiden Projektphasen wurden insgesamt rund 92.000 Glasnegative der DAI-Abteilungen in Athen, Istanbul, Kairo, Rom, Madrid und Berlin digitalisiert und datenbanktechnisch weiterverarbeitet. Gegenstand des sich nun in der 3. Phase befindlichen Projekts, das von der DFG finanziert wird, sind weitere 40.000 der unmittelbar vom physischen Zerfall bedrohten Glasnegative der DAI-Standorte Athen, Berlin und Rom. Neben der reinen Digitalisierung und Erschließung der Negative wird die weitere Verbesserung der Einbindung in das Semantic Web durch eine Ausweitung der CRM-lmplementation in Arachne sowie die Integration in andere Webressourcen (Perseus, CLAROS, Prometheus) angestrebt. Neuvorgesehen für die 3. Projektphase ist die Einrichtung eines Open-Access-Bereiches für alle 120.000 Scans des Projektes und die Implementierung der Creative-Commons-Lizenz. Zudem soll durch die Programmierung eines Moduls zur „Bild- und Objektidentifizierung (URN)" jedes Bild eindeutig und dauerhaft zitierfähig gemacht und eine mehrsprachige Benutzeroberfläche von Arachne eingerichtet werden.

Die Glasnegative enthalten historische Aufnahmen mit Schwerpunkten in der antiken Skulptur und Architektur. Oft existieren die Motive heute nicht mehr oder nicht mehr in der damals festgehaltenen Form. Es ist dies ein im internationalen Vergleich der in den Mittelmeerländern tätigen Forschungsnationen qualitativ wie quantitativ einzigartiger Bestand. Das Ziel ist die dauerhafte digitale Konservierung des in den Glasnegativen enthaltenen Informationsbestandes sowie seine datenbankgestützte Erschließung im Internet über Arachne. Um die empfindlichen Bestände nicht durch Ferntransporte zu gefährden, werden die Rohscans in gleichzeitigen Aufnahmeprozessen in den jeweiligen Abteilungen des DAI durchgeführt. Von dort werden die Digitalisate dem CoDArchLab zugesandt, wo sie digitalphotographisch und datenbanktechnisch weiterverarbeitet sowie im SAN der Universität zu Köln für das DAI langzeit-gespeichert werden. Der Forschung wird somit ein zentraler Dokumentationskomplex des DAI webbasiert zugänglich gemacht.

Derzeit (Woche 32 in 2010) sind ca. 92.000 Glasnegative über Arachne abfragbar, von denen ca. 53.000 zu Emagines2 gehören. Eine unscharfe Metasuche nach den Zeichenketten 'Emagines', 'D-DAI-ATH', 'D-DAI-IST', 'D-DAI-ROM', 'D-DAI-EUR', 'D-DAI-Z', 'D-DAI-MAD' und 'D-DAI-KAI' führt zu einer Gesamtübersicht von über ca. 44.000 Objektdatensätzen verschiedener Kategorien, denen die Glasnegative in Arachne zugeordnet sind. In der sog. Bildernavigation können die genannten ca. 92.000 Bilddatensätze abgefragt werden, die das Glasnegativ als solches adressieren.