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621713: Einsatzbüste eines Mannes (>L. Cornelius Lentulus<) - verschollen

Rom, Kapitolinische Museen

Pictures available: 1

Object Information - general

Presently located:

Rom, Italien, IT, Kapitolinische Museen
- Place information is letzter bekannter Aufbewahrungsort -

Provenience:

Italien, Im 16. Jh. in Tivoli in der Nähe des Domes S. Lorenzo zusammen mit einer bronzenen Inschrift gefunden; beide Teile wurden vor 1581 von Fulvio Orsini erworben, das Bildnis durch J. Faber 1606 publiziert; während die Inschrift in Barberini-Besitz gelangte und seitdem verschollen ist, kam das Bildnis in den Palazzo dei Conservatori, vielleicht als Schenkung oder als Vermächtnis Orsinis; dort in der Sala delle Oche im Inventar von 1663 nachgewiesen (Stuart Jones, Pal. Cons. 362 Anm. 5); letzte Erwähnung 1837; danach verschollen. 18182 von H. Dressel, der auf Bitten von Bernoulli nach dem Bildnis im Konservatorenpalast gesucht hat, nicht mehr gefunden (Bernoulli a. O. (s. Lit.) 290 Nachtrag zu S. 71 Anm. 4); auch von Stuart Jones nicht mehr gesehen.

Category/Culture Area/Function:

Rundplastik; Portrait

Dating:

Original: (Trajanisch).
- Argument: Frisur / after: K. Fittschen u.a. -

Condition:

Original seit langem verschollen.
Auf der einzigen Abbildung bei Faber a. O. (s. Lit.) sind keine Ergänzungen zu erkennen; sicher nachantik sind die nur in Platner, Beschreibung a. O. (s. Lit.) erwähnte Büste aus gefärbtem Stuck und die Basis mit dem Namen L. Cornelius Praetor.

Literature:

K. Fittschen - P. Zanker, Katalog der römischen Porträts in den Capitolinischen Museen und den anderen kommunalen Sammlungen der Stadt Rom 4. Kinderbildnisse. Nachträge zu den Bänden I-III. Neuzeitliche oder neuzeitlich verfälschte Bildnisse. Bildnisse an Reliefdenkmälern (Berlin 2014) 67/68 Cat. no. 56 a Pl. 76;
F. Orsini – J. Faber, Illustrium Imagines (1606) 28 Pl. 48;

Catalog text

Das Bildnis hat seinen Rufnamen von der mitgefundenen bronzenen Inschrift erhalten, in der ein römischer Praetor namens L. Cornelius Cn. f. genannt wird. Aufgrund des aus den sprachlichen Formen erschlossenen Alters der Inschrift glaubt die althistorische Forschung in diesem Praetor L. Cornelius Lentulus Lupus, Consul von 156 v. Chr., erkennen zu dürfen. Auf jeden Fall gehört die Inschrift in die Zeit der Selbständigkeit von Tibur, d. h. in die Jahrzehnte vor 90 v. Chr. Für die Forschung wäre ein benanntes und relativ sicher datiertes Bildnis aus dem 2. Jh. v. Chr. natürlich ein wertvoller Gewinn. Die Wiedergabe des Bildnisses bei J. Faber macht diese Hoffnung jedoch zunichte. Zwar ist sie die einzige bisher verfügbare Abbildung, da sie aber auf einer Vorlage von Theodor Galle (Gallaeus) beruht, der für seine zuverlässigen Zeichnungen bekannt ist, verdient sie volles Vertrauen. Eine Entstehung des Bildnisses im 2. Jh. v. Chr. ist danach völlig ausgeschlossen; noch nicht einmal eine Datierung in die Zeit der späten Republik, an die man wegen der realistisch wiedergegebenen Physiognomie denken könnte, kommt in Betracht. Für die Art, wie die Stirnhaare zu einer geschlossenen Reihe gebogener Strähnen gestaltet sind, finden sich die engsten Parallelen in claudischer (vgl. hier II Nr. 48 und 53), neronisch-flavischer (vgl. hier II Nr. 59) und trajanischer Zeit (vgl. hier II Nr. 68). Für die Entstehung im frühen 2. Jh. n. Chr. sprechen die charakteristischen, weich modellierten Gesichtszüge (vgl. hier II Nr. 64 und 77 sowie das wohl doch auf Trajanus Pater zu beziehende Fragment hier I Nr. 36). Die bronzene Inschrift mit dem Namen des L. Cornelius hat mit dem Bildnis also offenkundig nichts zu tun. Das hatten auch schon E. Q. Visconti und später J. J. Bernoulli vermutet. Gleichwohl aht sich das tiburtinische Bildnis seit seiner Auffindung wegen der für sicher gehaltenen Identifizierung mit einem Angehörigen der römischen Oberschicht aus der mittleren Republik eines beträchtlichen Ansehens erfreut, denn es sind andere, als ähnlich angesehen Bildnisse mit demselben Namen versehen worden. Eines hat Thomas Cook 1717 in Rom für seine Sammlung in Holkham Hall erworben. Daraus haben A. Michaelis und - ihm zunächst folgend - J. J. Bernoulli geschlossen, dass es sogar identisch sei mit dem in Tivoli gefundenen Bildnis. Wie es den Konservatorenpalast habe verlassen können, konnte sich Bernoulli freilich nicht erklären. Erst als ihm durch Michaelis das Erwerbungsdatum des Bildnisses in Holkham Hall bekannt wurde, das mit dem Datum der letzten Erwähnung des tiburtinischen Bildnisses im Konservatorenpalast nicht vereinbar ist, wurde ihm klar, dass die Identität der beiden Stücke >>doch wohl... in Frage gestellt werden<< müsse. Dieser Widerruf fand allerdings wenig Beachtung, so dass die Ansicht, der Kopf in Holkham Hall sei der in Tivoli gefundene, weiterhin tradiert wurde. Erst E. Angelicoussis hat 2001 klargestellt, dass zwischen den beiden Bildnissen auch formal keinerlei Beziehungen bestehen, dass vielmehr zwei ganz verschiedene Individuen dargestellt sind. Das tiburtinische Bildnis ist ein Einzelstück; Repliken haben sich bisher nicht nachweisen lassen. Nach der Form der Büste, die nach Größe und Umriss nicht den freistehenden Büsten trajanischer Zeit entspricht, handelt es sich um eine Einsatzbüste. Da sie für das Einsetzen in eine Statue zu groß ist, dürfte es sich um ein Hermenbildnis handeln. Es wird also wohl ein Bürger aus dem kaiserzeitlichen Municipium Tibur dargestellt sein. Das Bildnis muss in den Jahren zwischen 1837 und 1882 aus dem Konservatorenpalast verschwunden sein. Wie das möglich war und was aus dem Bildnis geworden ist, bleibt vorerst ein Rätsel. Doch kann nun die Suche beginnen, nachdem entschieden ist, dass es sich nicht in Holkham Hall befindet. Auch aus diesem Grund schien es mir wichtig, das Bildnis in diesen Katalog aufzunehmen (vgl. hier Nr. 58 a und 80).