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2336: Relief mit Kalathiskostänzerin

Berlin, Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin - SPK

Catalog text

Name:

Relief mit Kalathiskostänzerin

Inventory number:

Sk 1456

Author:

Johanna Auinger

Provenience:

1892 durch Stefano Bardini für 3.000 fr. in Florenz erworben und im April 1892 inventarisiert (Inventar der Skulpturen II, S. 69 Nr. 1456; Notiz auf Karteikarte ANT).

Dimensions:

H. 95 cm; B. 54 cm; T. 10 cm; ReliefH. 3,5 cm.

Material and technique:

Fein- bis mittelkörniger, weißer Marmor mit grauer vertikaler Äderung.

Condition:

Erhalten hat sich eine langrechteckige Platte mit an den Rändern erhöhten Leisten – der untere Abschluss des Reliefs weist keine Leiste auf. Das Bildfeld der Platte zeigt im Relief eine Kalathiskos-Tänzerin, lediglich der Zeigefinger der rechten Hand ist beschädigt. Der Kontur der linken Randleiste und der Beine folgend befindet sich dunkelbrauner Sinter. Die Oberfläche ist hellbraun verwittert mit einer Vielzahl von Wurzelfasern und Kratzern. Durchgehende Meißelarbeit.

Completions:

Die Randleisten sind z. T. abgeschlagen. Eine Klammerbettung an der Vorderseite im rechten oberen Drittel der Platte ist ausgeschlagen. Auf Hüfthöhe der Figur an beiden Seiten Klammerbettungen und -löcher mit Gips(?) verschmiert. An den Nebenseiten mit dem Zahneisen grob geglättete Anathyrosen. An der mit dem Zahneisen bearbeiteten Unterseite zwei Klammerbettungen (L. 3,5 – 4 cm) mit eingefügter moderner Halterung, in der Mitte viereckige Vertiefung (T. 7 cm; Dm. 2 cm).

Inventare/Archivalien:

Inventar der Skulpturen II, S. 69 Nr. 1456.

Catalog:

Kurze Beschreibung 1922, S. 93 Nr. 1456 Taf. 26; Blümel 1931, S. 45 f. Nr. K 184 Taf. 77.

Literature:

Kekulé 1893, S. 76 f. mit Abb.; Furtwängler 1893, S. 202; Paul Wolters, Lützows Zeitschrift für bildende Kunst, 1895, N.F. VI S. 36 f. Abb. 3; Furtwängler 1896 a, S. 4 Anm. 3; Dragendorff 1895, S. 59; Schröder 1907, S. 8; Schröder 1909, S. 116; Reinach 1912, S. 37 Nr. 3; Pomtow 1920, 128; Schrader 1924, S. 343 f. 349-351. 362 Abb. 314; Blümel 1934, S. 8 Nr. 11 Taf. 34; Herbig 1940, S. 73 Anm. 4; Fuchs 1954, S. 211 Anm. 25; Fuchs 1959, S. 44 Anm. 10, S. 177 Nr. 14; zu Stefano Bardini: Capecchi 1993.
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Description:

In den Reliefrahmen eingepasst ist ein nach links tanzendes Mädchen im kurzen, oberhalb der Knie endenden und mit Überschlag gestalteten Chiton, dargestellt. Der Kopf mit gewellten und in Strähnen nach hinten flatterndem Haar ist zur linken Seite im Profil gewendet. Auf dem Kopf trägt sie einen grob in seiner Form erkennbaren nach oben hin ausschweifenden, korbförmigen Kalathiskos. Der Oberkörper hingegen ist nach vorne aus der Achse gedreht, so dass er in Dreiviertelansicht sichtbar wird. Beide Arme hält sie aus Brusthöhe erhoben, wobei der linke Arm angewinkelt nach oben zeigt und der angewinkelte rechte Arm auf Höhe der Taille bleibt. In der Hüfte kommt es nochmals zu einer Torsion, und die Beine drehen sich in einer tänzelnden Bewegung noch weiter in die Vorderansicht.
Die untere, das Relief begrenzende Leiste ist aufgelöst in einen unregelmäßig verlaufenden Untergrund, die Füße – das rechte Bein ist vor das Linke gestellt – stehen auf kleinen konsolenartigen Fortsätzen.
Der Chiton lässt den jugendlichen Körper der Tänzerin mit den kleinen, hochsitzenden Brüsten, der Bauch- und Gesäßwölbung durchscheinen. Weit glockenförmig bauscht sich der Chiton schwungvoll um die Hüften und zeichnet so die drehende Bewegung des Mädchens nach.

Dating:

Das Relief wurde sowohl als Original am Ende des 5. Jhs. v. Chr. angesprochen (Kekulé 1893, S. 76 f.; Schrader 1924, S. 350 f.) als auch als neuattische Kopie nach einem Werk der Klassik (Furtwängler 1893, S. 202; Blümel 1931, S. 46). Blümel (1931, 46) schloss überzeugend die Platte als griechisches Original wegen folgender zwei Beobachtungen aus: zum einen das Vorhandensein ähnlicher Fragmente in Athen (s. Schrader 1924, S. 346 Abb. 315 f.) und zum anderen die konsolenartigen Untersätze unter den Füßen, die für das 5. Jh. doch sehr ungewöhnlich erscheinen. Den Marmor beurteilte er außerdem als italisch. Fuchs, (1959, S. 177) datierte die Platten in augusteisch-tiberische Zeit.

Generation:

Kalathiskos-Tänzerinnen sind in unterschiedlichen kultischen Kontexten bezeugt (s. ausführlich dazu mit Lit.: Cain 1985, S. 135 mit Anm. 814. 815). Seit Furtwängler (1892, S. 202) werden die Kalathiskos-Tänzerinnen mit den saltantes Lacaenae des Kallimachos (Plinius, Nat. Hist. 43, 92) in Verbindung gebracht. Wolters (1895) erkennt in ihnen die spartanischen Mädchen, die beim Fest der Artemis von Karyai die Kulttänze aufführten. Fuchs (1959, S. 91-96) versuchte durch eine hypothetische Auswahl von sechs in den unterschiedlichen Überlieferungen erhaltenen Tänzerinnen und deren Anordnung die Tänzerinnen des Kallimachos zu identifizieren. Entschieden gegen die seit Fuchs (1959) bestehende communis opinio über die Zuweisung des Künstlers, die Auswahl und Anordnung der Tänzerinnen spricht sich Cain (1985, S. 135; Bol 1989, S. 298 [Hans-Ulrich Cain]) aus.
Die beiden Reliefplatten (SMB-PK, ANT, Sk 1456 und Sk 1457) wurden gemeinsam erworben und scheinen auch auf Grund ihrer vergleichbaren Dimensionen und stilistischen Ausführungen zu einem Monument bzw. Kontext zu gehören. So wollte Kekulé (1893, S. 76) in den beiden Platten – eine dritte hätte sich nicht erhalten – eine dreiseitige hohe Basis als „Weihung von Tänzerinnen“ erkennen. Schrader (1924, S. 343) sprach sich entschieden gegen eine dreiseitige Basis aus und wollte, da sich die Platten nicht nach oben hin verjüngten, eine vierseitige Basis rekonstruieren. Blümel (1931, S. 46) jedoch sieht in den Stücken eine reine Dekorationskunst und vermutete ihre Anbringung nebeneinander an einer Wand.